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Initiative Normen im Trockenbau/Ausbau: Die Erstellung von Trockenbaukonstruktionen erfordert nicht nur geeignete Plattenmaterialien, sondern auch sorgfältig auf die bauspezifischen Besonderheiten abgestimmte Systemkomponenten. (Quelle: viennapro/Fotolia.com)

Experten-Interview: Ziele der Initiative Normen im Trockenbau/Ausbau

Bislang fehlen DIN-Standards für den Trockenbau und Ausbau, die Planern und Bauausführenden ihre Arbeit erleichtern. Um die Normen zu entwickeln, hat sich vor Kurzem eine verbändeübergreifende Brancheninitiative gegründet. Welche Ziele sie verfolgt und welche Herausforderungen es zu meistern gilt, erfahren Sie exklusiv bei recknagel-online.de.

Dipl.-Ing. Helmut Bramann äußert sich zur neu gegründeten Initiative. (Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.)

Als anerkannte Regeln der Technik sind Normen im Baubereich Standard und bewährte Grundlage der Leistungserbringung. Sie gewährleisten vergleichbare Qualität von Bauprodukten, Bauarten, Bauausführung und sorgen so für Anbieterwettbewerb, Vielfalt und hohe Verfügbarkeit im Komponentenbereich und somit letztendlich auch für eine freie Komponentenwahl für Bauunternehmen. Im Trockenbau wurde dieses erfolgreiche Prinzip in den letzten Jahren von den systemgebenden Herstellern allerdings immer mehr vernachlässigt. Die Initiative Normen im Trockenbau/Ausbau will dies nun nachholen.

Die Redaktion von recknagel-online.de hat bei Herrn Dipl.-Ing. Helmut Bramann, Geschäftsführer Technik, Technikpolitik, Spartenpolitik im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, nachgefragt:

1. Herr Bramann, welches Ziel verfolgen Sie mit der Gründung der Initiative Normen im Trockenbau/Ausbau?

Eine anerkannte, weit verbreitete Bauweise, wie der moderne Innenausbau mit Trockenleichtbausystemen, benötigt in Deutschland zeitgemäße DIN-Standards, das ist doch völlig klar. In den letzten Jahren wurden von systemführenden Herstellern zunehmend eigene Bausysteme mittels allgemeiner bauaufsichtlicher Prüfzeugnisse (abP) im Markt platziert und die Normung von Standardsystemen völlig vernachlässigt. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie ergriff Anfang September 2014 die Initiative und lud weitere Branchenverbände, Vertreter der Hersteller, des Fachhandels und ausführender Fachunternehmen ein, hieran etwas zu ändern. Mehr Systeme, Vorsatzschalen, Trennwand- und Unterdeckenkonstruktionen mit aktuellem technischem Standard und auf wirtschaftlich sinnvollem Niveau in der DIN sind unser Ziel.

2. Warum gab es denn bisher in diesem Bereich keine Normungsinitiative?

In unseren Mitgliedsunternehmen der Trockenbau- und Ausbaubranche schwelte schon länger Unmut darüber, dass für Trockenbaukonstruktionen in den vergangenen Jahren schleichend das System zum Standard und die Norm zur Ausnahme wurden. Auf allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnissen (abP) basierte Konstruktionen, also halboffene bis geschlossene Systeme, die an die Produkte der jeweiligen Hersteller gekoppelt sind, beherrschen inzwischen den Markt. Verlierer sind nicht-systemgebundene Komponentenlieferanten und der Fachhandel, dessen Lager aufgrund der geschlossenen Anbieter-Systeme überquellen. Das Fass zum Überlaufen brachte allerdings bei uns die seit 01.04.2014 zunehmenden Probleme mit den abP für brandschutzrelevante Bauarten und das gleichzeitige Unterbleiben notwendiger Herstelleraktualisierungen in wichtigen Normen wie der DIN 4102-4 „Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen“. Wir haben entschieden, dass das nicht so weitergehen kann.

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