Recknagel

Fraunhofer IBP: erfolgreiches Sanierungskonzept für die Kunsthalle Mannheim

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP hat bei der Renovierung der Kunsthalle Mannheim die Verantwortlichen während der Planungs- und Konzeptionierungsphase unterstützt. Dabei ist es ihnen gelungen, den Primärenergiebedarf des sanierten Gebäudes auf 19 Prozent unterhalb der energetischen Anforderungen für Neubauten nach der Energiesparverordnung 2009 zu senken. Insgesamt erwartet die Stadt Mannheim dadurch jährlich Energiekosteneinsparungen von 40 000 Euro. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) unterstützt.

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP hat bei der Renovierung der Kunsthalle Mannheim die Verantwortlichen während der Planungs- und Konzeptionierungsphase unterstützt. Dabei ist es ihnen gelungen, den Primärenergiebedarf des sanierten Gebäudes auf 19 Prozent unterhalb der energetischen Anforderungen für Neubauten nach der Energiesparverordnung 2009 zu senken. Insgesamt erwartet die Stadt Mannheim dadurch jährlich Energiekosteneinsparungen von 40 000 Euro. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) unterstützt.

Die Kunsthalle Mannheim beeinflusst schon seit über einem Jahrhundert das kulturelle Leben der Stadt. Über die Jahre traten jedoch die Schwächen des Gebäudes zunehmend in den Vordergrund und gravierende Bauschäden an der Museumsarchitektur wurden sichtbar. Darüber hinaus war die technische Gebäudeausrüstung weitestgehend überaltert und konnte die internationalen Museumsstandards bezüglich Raumlufttemperatur, relativer Luftfeuchte sowie Luftwechsel nicht mehr erfüllen. Die Kunsthalle besteht aus zwei Gebäudeteilen. Der Jugendstilbau wurde 1907 von Architekt Hermann Billing zum 300. Stadtjubiläum gebaut und 1909 als Kunsthalle eröffnet. Er wurde seit Januar 2011 für 22 Millionen Euro innen und außen komplett saniert, erhält moderne Dämmung, Verglasung, Beleuchtung, Kälte- und Klimakonzept sowie Sicherheitseinrichtungen. Ziel der Sanierung war zum einen die Wiederherstellung der historischen Schauräume mit ihren großflächigen Glasdecken, aber auch eine Erweiterung Ausstellungsfläche nach technisch internationalem Standard. Darüber hinaus sollten der Eingangsbereich sowie die Servicezonen für das Publikum ästhetischer und komfortabler gestaltet werden. Die dafür nötigen Maßnahmen wurden vom Fraunhofer IBP und dem Institut für Gebäude- und Solartechnik der Universität Braunschweig geplant.

Energetische Sanierung trotz denkmalgeschützter Außenfassade

„Da eine Außendämmung an der denkmalgeschützten Fassade von vorne herein nicht in Frage kam, mussten wir die Sache von Innen angehen und haben deshalb Kalziumsilikatplatten als Innendämmung verwendet“, erklärt Johann Reiß vom Fraunhofer IBP in Stuttgart. Damit gelang den Forschern eine Verbesserung des sogenannten U-Werts (Wärmedurchgangskoeffizient) der Gebäudehülle. Um die historischen Bestandsfenster größtenteils erhalten zu können, erhielten sie auf der Innenseite zweifach-wärmeschutzverglaste Vorsatzfenster mit einem thermisch getrennten Stahlrahmen. Auch die alte Einfachverglasung des Daches wurde durch eine doppelte Spiegelrasterverglasung ersetzt, das übrige Dach sowie das Notdach über der Kuppel mit einer 200 mm starken Mineralwolle gedämmt.

Effektives Energiekonzept

„Die Heizung und Kühlung der Räume erfolgt künftig weitgehend über eine Kombination aus Decken-, Wand- und Fußbodenheizung. Dies soll nicht nur eine Steigerung der Behaglichkeit und die Einhaltung der internationalen Museumsrichtlinien gewährleisten, sondern auch den Primärenergiebedarf im Vergleich zum unsanierten Gebäude um 60 Prozent reduzieren. Bisher wurde die installierte Kompressionskältemaschine mit Strom betrieben. Die jetzt eingebaute Absorptionskältemaschine benötigt Wärme als Antriebsenergie. Diese liefern die Kollektoren, die auf dem Dach des geplanten Neubaus installiert werden. Bis zur Fertigstellung des Neubaus sorgt jedoch die Fernwärme, mit der das Gebäude auch im Winter beheizt wird für die Energieversorgung.

Zusätzlich statteten die Wissenschaftler die Kunsthalle für ein zweijähriges Monitoring mit einer Reihe von Messfühlern aus. Damit kann künftig das Klima in allen Ausstellungsräumen überwacht und zudem die unterschiedlichen Parameter der Raumklimatisierung erfasst werden. Zur Validierung des Energiekonzepts und zur Optimierung der Gesamtanalage werden auch die Energieverbräuche aufgezeichnet.

Bei der Präsentation der sanierten Kunsthalle Mannheim haben Besucher im Rahmen eines Grand-Opening vom 18. bis zum 21. Oktober die Möglichkeit, sich ausführlich über deren Geschichte sowie zum Sanierungskonzept zu informieren. Ab Ende November eröffnet der Billing-Bau seine Räumlichkeiten mit der Ausstellung „Mythos Welt: Otto Dix & Max Beckmann“.

Verwandte Themen
Real Estate und Integrale Gebäudetechnik
Neuer Bachelor-Studiengang für Facility Management ab 2018 in Frankfurt a. M. weiter
Polystyrol, Dämmung, Fassade, Brandschutz
Architekten und Planer fordern generelles Verbot von Polystyrol-Dämmungen weiter
Contracting
VfW hat seine Contracting-Musterverträge aktualisiert weiter
Bauordnungsrecht, Bauprodukte
Deutsche Baubranche übt scharfe Kritik an Novelle des Bauordnungsrechts weiter
Fernwärme
OLG Hamm: Fernwärmeversorger müssen Preise nicht im Internet veröffentlichen weiter
Solarstromspeicher,Energieeffizienz
SMA veröffentlicht Effizienzdaten von PV-Speichersystemen weiter

Relevante Publikationen für Sie:

Zur Steigerung der Wirkung passiver Absorber: Schall in Raumkanten schlucken! Cover

Zur Steigerung der Wirkung passiver Absorber: Schall in Raumkanten schlucken!


Helmut V. Fuchs/Janna Lamprecht, Xueqin Zha

mehr
Zum Entlüften hochliegender Rohrleitungen Cover

Zum Entlüften hochliegender Rohrleitungen


Wolfgang Möllenbruck und Robert Mack

mehr
Zum Einsparpotenzial an Heizenergie durch elektronische Einzelraumregelung Cover

Zum Einsparpotenzial an Heizenergie durch elektronische Einzelraumregelung


Annina Abdel Fattah

mehr