Recknagel
Wärmepumpen mit verbesserter Energieeffizienz: Welche Anlagen sind förderfähig? Welche technische Ausrüstung muss gewährleistet sein? Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat hierzu Richtlinien erlassen. (Quelle: Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V.)

Wärmepumpen mit verbesserter Energieeffizienz: Das sind die Voraussetzungen für förderfähige Anlagen

Im Rahmen der Innovationsförderung können Wärmepumpen mit verbesserter Systemeffizienz gefördert werden. Das sind Wärmepumpen mit zusätzlichen Anlagenteilen bzw. Sonderbauformen, die mit zusätzlichem Investitionsaufwand eine deutliche Effizienzverbesserung des gesamten Systems erreichen und damit einen Beitrag zur Reduzierung des Strombedarfs und der Netzlast leisten.

Schematische Darstellung einer Wärmepumpe mit der Wärmequelle Erdreich, erschlossen über horizontale Erdwärmekollektoren. (Quelle: Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V.)

Im Folgenden werden Anlagenkonzepte beschrieben, die das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) derzeit als förderfähig nach den geltenden Richtlinien vom 11. März 2015 einstuft. Änderungen und Erweiterungen um innovative technologische Ansätze sind jederzeit möglich.

Technische Fördervoraussetzungen:

  • Förderfähig sind Wärmepumpen, die nach den jeweils gültigen Normen durch ein unabhängiges und akkreditiertes Prüfinstitut geprüft wurden (Ausnahme: Sonderbauformen, für die kein normiertes Prüfverfahren existiert)
  • Der COP-Wert elektrisch betriebener Wärmepumpen sowie die Heizzahl bei Gasmotor- oder Gasabsorptionswärmepumpen müssen die Mindestwerte gemäß dem europäischen Umweltzeichen "Euroblume" einhalten.
  • Für elektrisch angetriebene Wärmepumpen: Einbau eines Stromzählers zur Erfassung aller von der Wärmepumpe aufgenommenen Strommengen; für gasbetriebene Wärmepumpen: Einbau eines Gaszählers zur Erfassung aller von der Wärmepumpe aufgenommenen Brennstoffmengen.
  • Einbau mindestens eines Wärmemengenzählers. Die Messung aller durch die Wärmepumpe abgegebenen Wärmemengen wird verbindlich gefordert.
  • Weitere Anforderungen für Wärmepumpen, die zur Raumheizung von Gebäuden betrieben werden: Nachweis des hydraulischen Abgleichs der Heizungsanlage und Nachweis über die Anpassung der Heizkurve der Heizungsanlage an das entsprechende Gebäude.

Als förderfähige Anlagenkonzepte werden vom BAFA folgende vier Anlagenkonzepte eingestuft.

1. Erdwärme- oder Wasser/Wasser-Wärmepumpe mit ergänzender Wärmequelle Luft oder Solarstrahlung

Eingesetzte Kollektoren müssen gemäß den geltenden Richtlinien förderfähig sein. Die ergänzende Wärmequelle ist so einzubinden, dass eine Erhöhung der Wärmequellentemperatur und dadurch eine Effizienzsteigerung der Wärmepumpe erreicht wird. Die Leistung der Kollektoren muss mindestens 1/3 der Norm-Heizlast des versorgten Gebäudes betragen.

  • Bei der ergänzenden Wärmequelle Luft ist die Wärmeleistung bei 5 °C anzusetzen.
  • Bei der Nutzung von Solarstrahlung darf für die verwendeten Kollektoren eine Heizleistung von 0,2 kW je m² Bruttokollektorfläche angesetzt werden.
  • Es muss mindestens eine System-Jahresarbeitszahl (SJAZ) von 4,3 nachgewiesen werden. Der Nachweis erfolgt durch Vorlage einer Simulationsberechnung.

2. Luft/Wasser-Wärmepumpe mit ergänzender Wärmequelle Solarstrahlung

Kombination einer förderfähigen Luft/Wasser-Wärmepumpe mit der ergänzenden Wärmequelle Solarstrahlung. Die eingesetzten Kollektoren müssen gemäß den geltenden Richtlinien förderfähig sein. Diese sind so einzubinden, dass eine Erhöhung der Wärmequellentemperatur und dadurch eine Effizienzsteigerung der Wärmepumpe erreicht wird. Die Leistung der Kollektoren muss mindestens 1/3 der Norm-Heizlast des versorgten Gebäudes betragen.

  • Für die verwendeten Kollektoren darf eine Heizleistung von 0,2 kW je m² Bruttokollektorfläche angesetzt werden.
  • Die Bivalenztemperatur darf nicht über -6 °C liegen, es sei denn, das beheizte Gebäude verfügt über eine Anlage zur Bereitstellung von Wärme aus Biomasse.
  • Bei (Hybrid-)Wärmepumpen, bei denen konstruktionsbedingt die Nutzung eines Elektroheizstabs ausgeschlossen ist, darf der Bivalenzpunkt 0 °C nicht überschreiten.
  • Es muss mindestens eine System-Jahresarbeitszahl (SJAZ) von 3,9 nachgewiesen werden. Der Nachweis erfolgt durch Vorlage einer Simulationsberechnung.

3. Wärmepumpe kombiniert mit einem Eisspeicher

Kombination einer förderfähigen Wärmepumpe mit einem Eisspeicher, der mindestens ein Wasservolumen von 0,95 m³ je kW thermischer Leistung der Wärmepumpe (B0/W35) hat.

Bei Verwendung von anderen Speichermedien als Wasser/ Eis (z.B. sonstige Latentwärmespeicher, gedämmte Erdspeicher, etc.) ist bei der Antragstellung nachzuweisen, dass mit dem gewählten Speichervolumen eine vergleichbare Mindestspeicherkapazität erreicht wird.

Es muss mindestens eine System-Jahresarbeitszahl (SJAZ) von 4,1 nachgewiesen werden. Der Nachweis erfolgt durch Vorlage einer Simulationsberechnung

4. Wärmepumpe mit Wärmequelle „kalter Nahwärme“

Anschluss der Primärseite einer förderfähigen Wärmepumpe an eine Gemeinschaftsanlage zur Nutzung der Wärmequellen Erde, Grundwasser, Abwasser oder Abwärme (sogenannte „kalte Nahwärme“).

  • Die gemeinschaftliche Wärmequelle muss von mindestens 5 Wärmepumpen (mind. 5 Gebäude) genutzt werden.
  • Die Temperatur des vom Netz gelieferten Wassers muss zu jedem Zeitpunkt mindestens 10 °C betragen. Der Nachweis erfolgt durch Vorlage einer Simulationsberechnung, die den jahreszeitlichen Verlauf der Netztemperaturen dokumentiert.

Innovationsförderung für Wärmepumpen mit verbesserter Systemeffizienz

Die Bewertung der Effizienz geht dabei über die Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe hinaus und beinhaltet zum Beispiel zusätzlich die Einflüsse von weiteren Wärmerzeugern, Speichern und sonstigen Heizungskomponenten.

 Ein geeignetes Kriterium zur Bewertung der Anlagen-Effizienz ist die System-Jahresarbeitszahl (SJAZ, oder auf Englisch: Seasonal Performance Factor - SPF). Als Systemgrenze wird die Übergabe an das Wärmeverteilungssystem gewählt. Bilanziert wird also die gesamte an die Wärmeverteilung abgegebene Wärmemenge (Nutzwärme) im Verhältnis zu der dafür erforderlichen Strommenge. Etwaige Speicherverluste werden ebenfalls berücksichtigt. Der Stromverbrauch für die Heizungsumwälzpumpe und die Zirkulationspumpe werden nicht berücksichtigt. Diese Bilanzierung entspricht dem Wert „SPF-SHP“ gemäß der Klassifizierung im „Task 44“ der Internationalen Energieagentur (IEA). Das Dokument (englische Fassung) kann auf den Internetseiten der IEA heruntergeladen werden.

Eine Förderübersicht erhalten Interessierte über diesen Link auf der Seite des BAFA.

Weiterführende Informationen zum Thema Wärmepumpe und deren Fördermöglichkeiten sind auf der Seite http://www.bafa.de/bafa/de/energie/erneuerbare_energien/waermepumpen/publikationen/index.html  hinterlegt.

Förderanträge sind ebenfalls auf der Seite des BAFA zu finden. (bafa/gra)

Die Grafik stellt die Vorgaben für den Primärenegriebedarf in Neubauten nach der EnEV 2014 dar. In Verhältinis gesetzt werden Öl-/Gas-Brennwertkessel mit solarer Trinkwassererwärmung, Luft/Wasser-Wärmepumpen und Sole/Wasser-Wärmepumpen. (Quelle: Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V.)
Verwandte Themen
solarer Mieterstrom
EU-Kommission genehmigt neue Förderung von solarem Mieterstrom weiter
Energieeffizienz, Energy Efficiency Award 2017
Energy Efficiency Award 2017: Das sind die Preisträger weiter
Heizungstechnik, Heizspiegel 2017, energetische Sanierung
Neuer Heizspiegel zeigt: Verbraucher zahlen 2017 wohl mehr weiter
Heizungstechnik, Lüftungstechnik
Bundesverband für Wohnungslüftung (VfW) ist neues VdZ-Mitglied weiter
Energieberater
Neue VDI 3922 Blatt 2 zur Feststellung der Kompetenz von Energieberatern weiter
Energieversorgung, Regionale Virtuelle Kraftwerke
Zum Abschluss des Projektes „Regionales Virtuelles Kraftwerk – Feldtestphase“ weiter

Relevante Publikationen aus unserer RECKNAGEL-Edition für Sie:

"Energetische Inspektion in der Technischen Gebäudeausrüstung" von Joachim Trogisch
Leitfaden für Kompressionswasserkühlsätze
"Leitfaden für Lüftungs-und Klimaanlagen" von Lars Keller
"EnergieSynergie - optimiert planen, bauen und sanieren" von Volker Drusche