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individueller Sanierungsfahrplan
Der „individuelle Sanierungsfahrplan“ gibt einen Überblick über die in einem Gebäude langfristig anstehenden Sanierungen. (Quelle: smuki/Fotolia.com)

Neues Softwaretool zur Energieberatung: Der individuelle Sanierungsfahrplan

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat auf den Berliner Energietagen 2017 ein neues Instrument der Energieberatung vorgestellt. Der „individuelle Sanierungsfahrplan“ ist ein softwaregestütztes Tool, das einen Überblick über die in einem Gebäude langfristig anstehenden Sanierungen gibt.

Neben Energieeinsparpotenzialen und den Einsatzmöglichkeiten für erneuerbare Energien gibt das Tool auch eine Einschätzung der dafür notwendigen Investitionen ab und weist die Heizkosten- und CO2-Einsparungen aus.

Der neue individuelle Sanierungsfahrplan bietet Eigentümern eine transparente, maßgeschneiderte Übersicht über Sanierungsschritte für ihre Gebäude. Sie bekommen auf einfache Weise dargestellt, wann welche Maßnahmen zu erwarten sind, welche Umsetzung sie beinhalten und wie sie sich zu einer Gesamtsanierung zusammenfügen. Den Energieberatern steht mit dem individuellen Sanierungsfahrplan ein Werkzeug zur Verfügung, das es ihnen ermöglicht, die Ergebnisse ihrer Beratungen und ihrer technischen Ausarbeitungen verständlich und gut strukturiert in standardisierten Berichten zu vermitteln. Die in der Praxis typischen Schritt-für-Schritt Sanierungen können damit ab sofort in ein gebäudespezifisches Gesamtkonzept eingebettet werden

, sagte Staatssekretär Rainer Baake auf den Berliner Energietagen.

BAFA übernimmt 60 % der förderfähigen Beratungskosten

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zahlt bis zu 60 Prozent der förderfähigen Beratungskosten, maximal jedoch 800 Euro für Ein- oder Zweifamilienhäuser und 1.100 Euro für Wohngebäude mit drei und mehr Wohneinheiten. Für Wohnungseigentümergemeinschaften gibt es zusätzlich einen einmaligen Zuschuss von bis zu 500 Euro, wenn der Energieberatungsbericht in Wohnungseigentümerversammlungen erläutert wird.

Arbeitshilfe für Energieberater

Energieberater können das neue Instrument freiwillig einsetzen. Es strukturiert den Beratungsablauf systematisch und ersetzt das aufwendige Verfassen und Gestalten von individuellen Ergebnisberichten. So werden die ohnehin im Bilanzierungsprogramm eingegebenen Daten genutzt und durch Freitexteingaben ergänzt. Per Klick können Energieberater daraus zwei Booklets für die Hauseigentümer als PDF-Dateien herunterladen:

Mit dem Sanierungsfahrplan kann man die Ergebnisse der Energieberatung von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Mehrfamilienhäusern erstmals bundesweit einheitlich darstellen.

Sanierungsfahrplan als Beratungsnachweis anerkannt

Der „individuelle Sanierungsfahrplan“ wurde in Zusammenarbeit mit der Bundesstelle für Energieeffizienz im BAFA und einem externen Konsortium aus der Deutschen Energie Agentur (dena), dem Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) und dem Passivhaus Institut (PHI) entwickelt. Der Sanierungsfahrplan wird im Rahmen der Vor-Ort-Beratung ab dem 01.07.2017 vom BAFA als Ergebnis einer Energieberatung anerkannt und gefördert.

BuVEG – Die Gebäudehülle

BuVEG kritisiert Sanierungsfahrplan als halbherzig

Der Sanierungsfahrplan ist ein halbherziger Versuch, die Gebäude in Deutschland fit für die Zukunft zu machen. Es ist gut, dass die Sanierung und die dazugehörigen Fördermöglichkeiten nun besser strukturiert werden können. Ein zusätzlicher Anreiz, etwas an seinem Haus zu tun, ist der Sanierungsfahrplan allerdings nicht. Der Sanierungsrückstand ist gerade bei den Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland hoch. Um dies zu ändern, sollte der Sanierungsfahrplan mit besseren und vor allem einfacheren Fördermöglichkeiten verknüpft werden. Ohne eine solche Verknüpfung wird das nun vorgestellte Instrument kaum Wirkung entfalten. Sinnvoll wäre es zudem, einen Sanierungsfahrplan bei Eigentümerwechseln zur Pflicht zu machen. Wer ein Haus kauft, müsste sich dann auch um eine planvolle Sanierung kümmern, wenn er Fördermittel bekommen will

, so Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des BuVEG – Bundesverbandes Energieeffiziente Gebäudehülle. (fei)

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