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B.KWK Gütesiegel, KWK
B.KWK Gütesiegel: KWK Strom soll für Kunden als eigene Marke identifizierbar werden. (Quelle: B.KWK)

Energieversorgung: Keine Energiewende ohne Kraft-Wärme-Kopplung und Contracting

Die Energy im Rahmen der HANNVOER MESSE bietet mit ihrem Schwerpunkt „Dezentrale Energieversorgung“ im Jahr 2015 erneut einen Überblick über innovative Lösungen der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), der Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung (KWKK) sowie über Energiedienstleistungen von Direktvermarktung bis Contracting.

Auf dem Gemeinschaftsstand „Dezentrale Energieversorgung“ präsentieren 44 Aussteller ihre Lösungen für Anlagen zur gleichzeitigen und hocheffizienten Erzeugung von Strom, Wärme und Kälte. Anbieter von Energiedienstleistungen, deren Kerngeschäft die Hebung von Energieeinsparpotenzialen in Industrie, Handel und Gewerbe sowie kommunalen Einrichtungen ist, runden die Marktübersicht ab. In zehn Forumsveranstaltungen werden auf dem Stand aktuelle Themen wie die Rolle der dezentralen KWK als effiziente Flexibilitätsoption für das neue Energiemarktdesign mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutiert. Partner des Gemeinschaftsstandes sind der B.KWK Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung e.V. sowie das ESCO Forum im ZVEI.

ESCO Forum: Integration von KWK-Anlagen in das Strommarktdesig

„Die Politik darf die Potentiale der Kraft-Wärme-Kopplung nicht verspielen, denn KWK bleibt für ein Gelingen der Energiewende unverzichtbar. Die Contracting-Branche befürchtet derzeit, dass die KWK ihr volles Potential beim Klima- und Ressourcenschutz zukünftig nicht weiter entfalten kann. Dabei bleibt KWK für dezentrale Versorgungslösungen die Schlüsseltechnologie mit großem Potential, auch zur Integration Erneuerbarer Energien“, sagte Marcus Bort, Vorsitzender ESCO Forum im ZVEI, Leiter Dezentrale Energielösungen bei der EnBW Sales und Solutions, am 14. April im Rahmen einer Presseveranstaltung auf der HANNOVER MESSE.

Im ESCO Forum wurden Lösungen erarbeitet, die über die Kernforderung des Verbandes nach Abbau ungerechtfertigter Diskriminierung des Contracting hinausgehen. Im Zentrum steht die Stärkung der Integration von KWK-Anlagen in das Strommarktdesign: KWK-Anlagen können durch flexibleren Betrieb Erneuerbare ergänzen und Strom bei Bedarf dezentral einspeisen. Notwendig ist eine leichte Anhebung und Streckung der KWK-Förderung. Damit können die Zusatzbelastungen seit der EEG-Novelle 2014 bei der Eigenstromerzeugung abgefedert werden. Diese Kompensation sollte eine Erhöhung der KWK-Förderung um 1,5 ct/kWh über den gesamten Förderraum umfassen. Darüber hinaus empfiehlt es sich, bei neuen und bestehenden KWK-Anlagen die Dauer der Förderung von 30 000 auf 80 000 Vollbenutzungsstunden zu erhöhen. Hiermit könnte die Anhebung des Förderdeckels nach Verbandsaussagen umgangen werden.

B.KWK: Gütesiegel für Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung

Auf der HANNOVER MESSE hat der B.KWK am 14. April der breiten Öffentlichkeit erstmals ein Gütesiegel für Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK Anlagen) vorgestellt. Als eigene Marke soll KWK Strom für Kunden identifizierbar werden und den Stromerzeugern als Alleinstellungsmerkmal dienen. Das Zertifikat erteilt der Bundesverband und gibt dem Verbraucher so die Sicherheit, dass der so zertifizierte KWK-Strom auch tatsächlich aus hocheffizienten KWK Anlagen kommt. Während grüner Strom aus regenerativen Quellen stammt, lässt sich elektrische Energie aus KWK-Anlagen am Markt bisher nicht identifizieren Obwohl KWK Strom besonders umweltfreundlich ist, fand er bisher zusammen mit Strom aus Atomkraftmeilern und herkömmlichen Kraftwerken als sogenannter Graustrom seinen Weg zum Endkunden. Um die Vorteile, die Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung für Erzeuger, Verbraucher und Umwelt bietet, auch maximal nutzen zu können, ist der Schritt zur Marke die logische Konsequenz, denn nun können sich Stromkunden ganz bewusst für KWK-Strom entscheiden und damit ihren ganz persönlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Auch die Stromerzeuger profitieren davon, die Kraft-Wärme-Kopplung stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.

„Die Förderung von flexibel eingesetzter KWK dient der Vermeidung von volkswirtschaftlich ineffizienten systematischen Stromüberschüssen und stellt einen kostengünstigen Baustein im zukünftigen Strommarkt dar. Mit Virtuellen Kraftwerken können KWK-Anlagen aller Größenklassen und unabhängig vom Einsatz in den Netzen der allgemeinen Versorgung oder im Objekteinsatz positiv und systemstabilisierend wirken“, erläuterte Berthold Müller-Urlaub, Präsident des B.KWK, am 14. April in Hannover und formulierte die Kernbotschaften des B.KWK zur KWKG-Novelle 2015:

  • Das 25prozentige Ausbauziel für Strom aus KWK unverändert beibehalten
  • Den Neubau, die Modernisierung und die Nachrüstung von KWK-Anlagen in allen Größenklassen fördern mit modifizierten Zuschlägen
  • Keine Diskriminierung von eigengenutztem KWK-Strom
  • Temporäre Maßnahme zur Bestandssicherung von existenzbedrohten KWK-Anlagen
  • Schaffung von langfristiger Planungssicherheit für den Betrieb von KWK-Anlagen
  • Einsatz erneuerbarer Gase in KWK (fei)
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