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Geothermieverbände: EEG-Eckpunkte gefährden 95 Prozent des geothermischen Strompotenzials

Die Geothermieverbände bewerten die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgelegten Eckpunkte zur Reform des EEG kritisch. Zwar wird die verloren gegangene Planungssicherheit wieder hergestellt. Die Vorschläge blockieren aber mit der Streichung des Technologiebonus für petrothermale Systeme, der bisher fünf Cent pro Kilowattstunde betrug, die Fortentwicklung der Technologie.

Die Geothermieverbände bewerten die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgelegten Eckpunkte zur Reform des EEG kritisch. Zwar wird die verloren gegangene Planungssicherheit wieder hergestellt. Die Vorschläge blockieren aber mit der Streichung des Technologiebonus für petrothermale Systeme, der bisher fünf Cent pro Kilowattstunde betrug, die Fortentwicklung der Technologie. „Die Technologie steht zwar in Mitteleuropa noch am Anfang, birgt aber ein immenses Potenzial. Das ist nun in Gefahr“, sagt Dr. Erwin Knapek, Präsident des GtV-Bundesverbandes Geothermie (GtV-BV) und Vorsitzender des Wirtschaftsforums Geothermie (WFG).

Die sogenannte TAB-Studie vom deutschen Bundestag stellt beispielsweise fest, dass 95 Prozent des geothermischen Stromerzeugungspotenzials im Bereich der petrothermalen Energie liegt. Denn im Unterschied zur momentan in Deutschland genutzten hydrothermalen Geothermie, sind petrothermale Anlagen nicht auf natürlich vorhandenes Thermalwasser angewiesen. Vielmehr nutzen sie das heiße, aber weitgehend trockene Gestein des Untergrunds als Wärmetauscher für zugeführtes Wasser. Petrothermale Systeme sind somit flächendeckend in Deutschland einsetzbar.

„Die Situation der Geothermie ist vergleichbar mit jener der Wind-Branche: Mit den Anlagen an Land wurden die wichtigen Erfahrungen gesammelt, mit denen man sich nun an die technisch anspruchsvolleren, aber energetisch weit nutzbringenderen Standorte auf der offenen See herantraut. Die Tiefengeothermie verdient eine Chance, es gleich zu tun“, fordert Knapek, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) ist. „Ein Bekenntnis zu dieser zukunftsfähigen Technologie, vergleichbar zur Offshore-Windenergie, fehlt dem Eckpunktepapier aber“, stellt der promovierte Physiker fest. Zum Vergleich: Die Leitstudie des Bundesumweltministeriums von 2010 sieht das technische Potenzial von Offshore-Windenergie bis zum Jahr 2020 bei 25 Terawattstunden Strom. Durch petrothermale Geothermie könnten laut TAB-Studie jedoch jährlich 300.000 Terawattstunden produziert werden.

„In Niedersachsen, Sachsen und Thüringen gibt es vielversprechende Projektplanungen. Die Streichung der Zulage entzieht den Investoren und Bundesländern die Planungsgrundlage. Das ist für mich nicht nachvollziehbar“, wundert sich Knapek über das Eckpunktepapier.

Auch die Tatsache, dass die Direktvermarktung von regenerativ erzeugtem Strom nun drei Jahre früher kommen soll als bisher geplant, birgt laut Knapek Konfliktpotenzial: „Die bisherige Regelung sah vor, dass die Direktvermarktung 2018 kommt. Dass sie nun schon 2015 eingeführt werden soll, wirft alle Planungen von Stromerzeugern wie -verkäufern über den Haufen.“

Kritisch sieht der Präsident der beiden deutschen Geothermie-Verbände auch, dass das Eckpunktepapier noch offen lässt, was mit der Formulierung gemeint ist, künftig müssten „alle neuen Anlagen fernsteuerbar sein“. „Dass ausgerechnet grundlastfähige Geothermie-Anlagen, die ohne Schwankungen, bei jedem Wetter und jeder Uhrzeit 8.500 Stunden im Jahr Strom einspeisen können, als kurzzeitiger Strom-Puffer dienen sollen, ist aus technischer Sicht im Vergleich z.B. zu Kohlekraftwerken unlogisch. Geothermie-Anlagen müssen stattdessen wichtige systemrelevante Aufgaben der Netzstabilität übernehmen, die bisher meist nur fossilen Energieträgern zugetraut wurden. Ich wünsche mir hier Klarheit aus der heute beginnenden Kabinettsklausur“, argumentiert Knapek.

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