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Power-to-Heat; IWO
Power-to-Heat-Elektroheizer: Über separate Kommunikationsbox via Mobilfunknetz mit der Leitwarte eines Stromhändlers verknüpft. (Quelle: IWO)

Power-to-Heat: Bis zu 26 Prozent weniger Heizkosten

Mit Power-to-Heat in ölbasierten Hybridheizungen könnten Hausbesitzer ihre Heizkosten durch Einnahmen auf dem Strommarkt und reduzierten Brennstoffbedarf um ein gutes Viertel reduzieren. Das zeigen die ersten Ergebnisse einer Referenzanlage des Instituts für Wärme und Oeltechnik (IWO) in Berlin-Spandau.

Die zunehmende Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Windkraft und Photovoltaik führt zu größer werdenden witterungsabhängigen Strom-Angebotsspitzen. Power-to-Heat, also die Wandlung von Strom in Wärme, ist eine sinnvolle Option, wenn diese Angebotsspitzen nicht direkt oder nicht wirtschaftlich als Strom nutz- oder speicherbar sind. Auch in vielen Privathaushalten könnte Power-to-Heat mit geringem Aufwand eingesetzt werden. Das zeigt ein IWO-Pilotprojekt in einem Einfamilienhaus in Berlin-Spandau, wo seit August 2014 die Praxistauglichkeit des Konzepts unter Beweis gestellt wird. Die ersten Zwischenergebnisse sind vielversprechend und übertreffen die ursprünglichen Annahmen.

Elektroheizer und Pufferspeicher

Durch die Bereitstellung so genannter negativer Regelleistung sowie dadurch vermiedene Brennstoffausgaben konnte im Referenzobjekt in Berlin-Spandau von August 2014 bis Mitte April 2015 der Heizkosten-Saldo um 197 Euro verbessert werden. Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt dies 263 Euro. Dies entspricht 26 Prozent der jährlichen Heizkosten des Gebäudes. Im Saldo verringern sich die Ausgaben für Raumwärme und warmes Wasser also um ein gutes Viertel pro Jahr. In dem Berliner Einfamilienhaus wurde eine elektrische Heizeinrichtung mit dem Pufferspeicher verbunden. Über eine separate Kommunikationsbox, die via Mobilfunknetz mit der Leitwarte eines Stromhändlers verknüpft ist, nutzt die Anlage nur dann Strom, wenn im Netz gerade zu viel vorhanden ist und die Annahme dieses Stroms finanziell vergütet wird.

Power-to-heat: Finanzielle Vorteile

„Diese Ergebnisse zeigen, dass Power-to-Heat in ölbasierten Hybridheizungen nicht nur eine wichtige Dienstleistung zur Stabilisierung der Stromnetze bereitstellen kann, sondern Hausbesitzern auch ermöglicht, von der Energiewende finanziell zu profitieren“, erklärt IWO-Ingenieur Christian Halper. Das unterstreichen auch die Ergebnisse einer Studie zu den wirtschaftlichen Potenzialen von Power-to-Heat, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) erstellt hat. Die Untersuchung zeigt, dass sich die bei einer Heizungsmodernisierung für Power-to-Heat notwendigen Mehrkosten in weniger als zehn Jahren amortisieren könnten.

Strommarkt: Variable Tarife

Wie gut das Potenzial von Power-to-Heat in ölbasierten Hybridheizungen künftig genutzt werden kann, wird auch von der Gestaltung des Strommarkts abhängen. „Derzeit wird diskutiert, das Strommarktdesign zum Beispiel durch das Angebot variabler Stromtarife für private Haushalte zu verändern“, berichtet IWO-Projektleiter Simon Jastrzab. „Bei Änderungen muss jedoch beachtet werden, dass ausschließlich strombasierte Heizsysteme Reserve-Kraftwerke notwendig machen. Deren Kosten sollten verursachergerecht verteilt werden, zum Beispiel durch eine Kostenkomponente für die Vorhaltung gesicherter Leistung.“ Weitere Informationen unter www.zukunftsheizen.de/pth. (fei)

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