Recknagel
Das Rohr im Rohr - mit dem oxy[proof]®system beschichtetes Rohr (Quelle: TGA Rohrinnensanierung AG)

„Millionenschäden in Heizungsanlagen können wir einfach wegsanieren“

Mit einem neuen Beschichtungsmaterial können 30 oder gar 40 Jahre alte Heizungsrohre so von innen neu ausgekleidet werden, dass sie technisch auf dem Stand von 2014 sind. Damit erlaubt die „Oxyproof“-Sanierungstechnik auch eine Fußbodenheizungs-Sanierung im laufenden Betrieb.

Versprödung an alten Kunststoffrohren (Quelle: TGA Rohrinnensanierung AG)

Das neue Rohr-Innenbeschichtungsmaterial bildet eine so dichte Sperrschicht gegen Sauerstoff, dass es von der Materialprüfanstalt in Darmstadt (MPA) getestet und mit der DIN 4726 ausgezeichnet wurde. Das gesamte Sanierungsverfahren heißt „Oxyproof-System“ und wurde von der TGA Rohrinnensanierung AG in Fürth entwickelt.

Wie das innovative System funktioniert, schildert Karim Kudsi, der Vorstand der AG: „Mehrere hunderttausend Fußbodenheizungen, die in den 70er bis Anfang der 90er Jahre verlegt wurden, bestehen aus Kunststoffrohren, die sich heute – 30 Jahre später – oft quasi unter den Füßen auflösen.“ Dabei geschieht das nicht einmal unbemerkt: Denn betroffene Räume werden nicht mehr richtig warm, und mit zusätzlichem Energieaufwand steigen die Kosten. Die Anlage heizt nicht mehr effizient. Wird in dieser Situation nichts unternommen, erklärt Karim Kudsi, „können die maroden Heizkreisläufe undicht werden, schlimmstenfalls droht der Totalausfall des Systems.“

Grund für das Poröswerden der Kunststoffleitungen ist der permanente Sauerstoffdurchgang von außen durch die Kunststoffmaterie an das Medium im Rohr. Bisher war es nicht möglich, diesen Prozess bei alten Rohrleitungen zu stoppen. Die neu erfundene Beschichtung verhindert zu fast 100%, dass Sauerstoff durch die maroden Kunststoffrohre eindiffundieren kann. Dieser unerwünschte Sauerstoff reagiert mit den Metallteilen der Heizungsanlage und bildet Rost, welcher sich schichtweise im gesamten Rohrnetz ablagert. Die Lösung ist, die vorhandenen Krustate in den Leitungen zu lösen und mit einer Innenbeschichtung zu verhindern, dass sich die hinderlichen Ablagerungen neu bilden.

Karim Kudsi warnt vor Notlösungen: „Kontraproduktiv wäre es, die verstopften Leitungen mit Wasser vermeintlich freizuspülen. Solche Spülungen verschlimmern das Problem, da mit dem Wasser weiterer Sauerstoff in den geschlossenen Kreislauf eingebracht wird.“ Die Gefahr eines Rohrverschlusses (Rohrinfarkt) ist bei derartigen Maßnahmen extrem hoch. „Dem Alterungsprozess kann man nur von innen begegnen“, weiß Kudsi. Geschieht das, wird das Problem an der Stelle gelöst, wo es entsteht: an der Rohrinnenseite. Heutige Heizungs-PE-Rohre haben u.a. eine so genannte „EVOH“-Sperrschicht, die die Sauerstoffzufuhr zuverlässig unterbindet. Doch in den 70er bis 80er Jahren gab es diese industriell gefertigte Schutzschicht in Kunststoffrohren nicht. Die Leistung der TGA-Erfindung: Mit der neuen Spezialbeschichtung wird eine solch moderne Sperrschicht schonend und nahtlos von innen angebracht − und die alten Leitungen sind auf dem Hightech-Stand von Heute. Dabei geschieht das Ganze nahezu im laufenden Betrieb; die Fußböden müssen nicht aufgerissen werden.

Sanieren von innen

Karim Kudsi erklärt: „Dieses viskose Harz haben wir in zwei Jahren der Forschung in unserem Labor, auch gemeinsam mit der Hochschule in Berlin-Wildau entwickelt.“  Die renommierte Materialprüfanstalt Darmstadt (MPA) hat die Wirkung des Harzes wissenschaftlich überprüft.

Ihr Ergebnis: Erstmals wurde eine Diffusionssperre erfunden, die so dicht hält, dass die problematischen Sauerstoffmoleküle nicht mehr durch die Kunststoffrohre dringen können. Im Rohrinnern wird somit erstens weitere Verschlammung verhindert, zweitens ist die mit der Beschichtung versiegelte Heizschlange wie neu – und drittens hilft dies Heizenergie zu sparen.  Und Vorstand Karim Kudsi weist darauf hin: „Das Beschichtungsmaterial erfüllt nicht nur die hohen Dichtigkeits-Ansprüche der DIN 4726, die auf unter 0,32 mg Sauerstoffeintrag je Liter und Tag ausgelegt sind. Sondern es übertrumpft sie sogar noch um 94%, denn mit dem Harz erreichen wir eine Dichtigkeit von 0,02 mg! Das wurde uns von der MPA mit Brief und Siegel bescheinigt."

Diagnoseinstrumente gezielt einsetzen

Selbst Sachverständige haben es Jahre nach dem Einbau oft schwer, den wahren Zustand einer Fußbodenheizung von außen einzuschätzen. Schätzungen gehen davon aus, dass lediglich 30% der Heizsysteme einwandfrei arbeiten. Zuverlässige Ergebnisse ohne bauliche Maßnahmen werden bei der Zustandsanalyse am besten durch die Kombination verschiedener Diagnoseinstrumente erzielt. Mit einem mobilen Labor werden alle Daten aus der Fußbodenheizung erkundet, um genaue Schlussfolgerungen über Alterung und Zustand der Kunststoffrohre treffen zu können. Zusätzlich zur Wasser- und Zustandsanalyse hilft bei etwaigen vorhandenen Undichtigkeiten ein tiefer Einblick zur genauen Ursachenforschung. Mit einer thermografischen Analyse erhält der Fachmann eine Art „Röntgenbild“ der Fußbodenheizung. Mit sehr viel Know-how kann zwischen altersbedingten Schäden und Installationsmängel differenziert werden. Eine frühzeitige Zustandsanalyse spart Kosten durch Prävention. Beginnen die Kunststoffrohre zu verspröden, lässt sich – sofern es nicht zu spät ist! – ihr Totalersatz durch eine Sanierung verhindern. Der Estrich muss währenddessen nicht aufgerissen werden; dem Alltag und Wohnen kann während des Sanierungsprozesses normal nachgegangen werden.

Sanierung – die Reinigung von innen

Hierbei wird zunächst mit Druckluft sämtliches Restwasser aus dem Heizsystem geblasen. Anschließend werden die Rohrinnenflächen gereinigt; dies ist vergleichbar mit dem Effekt eines Schleifpapiers. Ein Spezialkompressor presst mit Luftdruck ein für den jeweiligen Einzelfall abgestimmtes, chemiefreies Abrasivgemisch an den Rohrinnenwänden entlang und entfernt dort alle Schlammrückstände und Verkrustungen. Selbst kleinste Winkel und Verzweigungen werden erfasst. Am Rohrende saugt eine Recyclingmaschine das Granulat und die Korrosionsrückstände ab. Das Rohr ist in der Folge blank.  

Das ist die Voraussetzung für den zweiten Arbeitsschritt. Eine Misch- und Dosiermaschine bereitet die benötigte Beschichtungsmenge auf. Dieses erwähnte, speziell von TGA entwickelte Beschichtungs­material wird anschließend per Luftstrom in den Heizschlangen feinverteilt. Mit Hilfe eines exakt austarierten Kalibrierwerkzeugs fließt es durch jede Rohrwindung und beschichtet die Wände hauchdünn von innen; allein das überschüssige Material tritt am Ende der Leitung aus. Die – DIN-nachgewiesene − sauerstoffdichte Beschichtung stoppt den Alterungsprozess und schützt vor weiterer Rohrversprödung. Nach 48 Stunden ist das Beschichtungsmaterial ausgehärtet und kann wieder belastet werden. Im alten Rohr ist ein neues entstanden. „Die Lebenszeit der Fußbodenheizung verlängert sich um mindestens 25 Jahre“, bestätigt Karim Kudsi. Sein QM-zertifiziertes Unternehmen macht das international seit nunmehr elf Jahren mit großem Erfolg.  

Basierend auf der geschilderten „Oxyproof“-System-Technologie, im alten Rohr ein neues sauerstoffdichtes entstehen zu lassen, lösen Rohrinnensanierungen also heute die Probleme für Rohre ab 10 Millimeter Innendurchmesser. Der Vorteil gegenüber dem Totalersatz einer Fußbodenheizung: bauliche Maßnahmen entfallen, Kosten und Dauer der Sanierung sinken stark und die Energieeffizienz der Immobilie wird nachhaltig gesteigert. Kudsi abschließend: „Nach der Rohrinnensanierung sind die Heizkreisläufe im Neuwertzustand. Ein- und Mehrfamilien­hausbesitzer, öffentliche Gebäude sowie Wohnungsbau­genossen­schaften können mit der Rohrinnensanierung Kosten in Millionen­höhe einsparen. Wir sanieren die sozusagen weg, völlig unkompliziert.“

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