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Schimmelpilze in Innenräumen: Welche Ursachen gibt es? Wie erfolgt die Instandsetzung? Und wie ist die Rechtslage? Innerhalb der TGA ist der interdisziplinäre Austausch gefragter denn je. (Quelle: Fotolia.de/trgowanlock)

Fachbeitrag: Schimmelpilzbefall in Gebäuden

Ein Fachbeitrag zur Beseitigung von Schimmelpilz anhand der „Richtlinie zum sachgerechten Umgang mit Schimmelpilzschäden in Gebäuden – Erkennen, Bewerten und Instandsetzen“ von Frank Deitschun, Mitinitiator des Vereins Netzwerk-Schimmel e. V. und Mitherausgeber der Richtlinie.

Bild 1: Feuchteschaden und Schimmel im Dachgeschoss

1. Einführung

Mit der oben genannten Richtlinie, empfohlen vom Bundesverband der öffentlich bestellten sowie qualifizierten Sachverständigen (b.v.s.), wird aufgezeigt, dass dieses Problem aus verschiedenen Sichtweisen zu bearbeiten ist, damit die oftmals emotional geführte Diskussion eine Versachlichung erfährt. Gerade rund um die Themen Passivhaus, Gebäudedämmung und Wohnraumlüftung ist Schimmelbefall ein vielfach diskutiertes Problem.   

2. Schimmelpilze in Innenräumen

2.1 Voraussetzungen und Ursachen für Schimmelpilzbildung

Wesentliche Voraussetzung für Schimmelpilzbildung oder einen mikrobiellen Befall ist die verfügbare Feuchtigkeit (siehe Bild 1) auf dem Untergrund, auf dem Schimmel sichtbar ist/wird. Das Wachstum des Metiers findet in der Regel bei einer hohen relativen Feuchte oberhalb von 60 Prozent statt.

Bild 2: Schimmel durch Sofa "Innendämmung".

Das heißt, es wird zumindest kurzfristig eine Feuchtigkeitsanreicherung an Oberflächen (Bauteile, Möbel, Gegenstände o.ä.) benötigt (siehe Bild 2). Hier spricht man in der Regel von Kondensat oder auch Tauwasser.

Bild 3: Abdichtungsmangel

Auch durch baukonstruktive Mängel (Wärmebrücken, Undichtheiten), Abdichtungsfehler (siehe Bild 3) und/oder Leitungswasserschäden, welche aus Heizungs-, Kanal- und Wasserleitungen entstanden sein können, sind mögliche Ursachen für Schimmelpilzbildung. In allen vorgenannten Fällen ist das Vorhandensein von Feuchtigkeit in Verbindung mit einem Nahrungsangebot aus organischen Stoffen notwendig. Hierzu gehört auch der durch Nutzung entstehende Hausstaub. Weiter ist zu berücksichtigen, dass Pflanzen und Tiere das Schimmelpilzwachstum fördern können.

Bild 4: Feuchtemessung nach Wasserschaden

Bei allen Schadenstypen ist es unerlässlich, die Ursache durch Untersuchungen zu klären. Es ist durchaus möglich, dass Kombinationen von Kondenswasserschäden und Durchfeuchtungen zu Schimmelpilzwachstum führen. Der Schimmel ist immer ein Indikator für vorhandene Feuchtigkeit (siehe Bild 4). Bei trockenen Bauteilen und Räumen, bei denen keine bautechnischen Fehler feststellbar sind und die Nutzung in der Art und Weise erfolgt, dass die hygienischen Belange, aber auch die Abfuhr von Feuchte beachtet werden, sind keine sichtbaren Schimmelpilzschäden zu erwarten. Jeder Schaden in diesem Bereich ist ein Einzelfall und bedarf einer einzelnen Betrachtung, die sachverständig erfolgen muss. Eine Generalisierung von Schimmelpilzschäden führt oft zu falschen Ergebnissen.

Bild 5: Schimmel durch allgemeine Feuchtebelastung in einer öffentlich zugänglichen Ausstellung.

2.2 Bewertung

Bisher fehlen wissenschaftliche Beweise dafür, dass von Schimmelpilzen eine Gesundheitsgefährdung ausgeht (siehe Bild 5). Der Nutzer/ Betroffene handelt dennoch unverantwortlich, wenn er den sichtbaren Schimmelpilzbefall nicht beachtet und/oder es zu einer oralen Aufnahme kommt. Die Feststellung von Schimmelpilz muss Veranlassung genug sein, sich hierum unverzüglich zu kümmern und der Ursache nachzugehen. Oftmals ist es möglich mit geringen Mitteln den Befall zu entfernen und durch Änderung kleinster Parameter wie z. B. dem Einbau von hygrostatischen Lüftern, Begleitheizungen oder der Wahl geeigneter Beschichtungssysteme einer weiteren Schimmelpilzbildung vorzubeugen. Nach den Grundsätzen der „Richtlinie zum sachgerechten Umgang mit Schimmelpilzschäden in Gebäuden - Erkennen, Bewerten und Instandsetzen“ gehören auch schadensbedingte Geruchsbelästigungen, die vielerlei Ursachen haben können, dazu. Dieser Sichtweise folgend ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Instandsetzung 

  • die visuelle Betrachtung der Schimmelpilzbildung,
  • die Überprüfung der Baukonstruktion,
  • die Überprüfung von Oberflächentemperaturen,
  • eventuelle Daueraufzeichnungen der Temperaturen und relativen Luftfeuchtigkeit (diese sind jahreszeitlich nur während der Heizperiode sinnvoll),

in ihrer Gesamtheit zu betrachten.

Ob in diesem Zusammenhang zwingend mikrobiologische Untersuchungen (siehe Bild 6) notwendig sind, ist oftmals zu vernachlässigen, diese können höchstens dem Zweck der Beweissicherung dienen. Es ist im Regelfall nicht die Spezies des Pilzes von Relevanz, sondern das Vorhandensein von Pilzen als Indikator einer zu hohen Feuchtigkeit, entweder an Bauteilen oder im Innenraum.

Bild 6: Digitales Mikroskop zur Schimmelpilzbeurteilung.
Bild 7: Sanierung eines Schimmelschadens.

2.3 Instandsetzung

Das Ziel der Instandsetzung (siehe Bild 7) ist, einen Zustand zu schaffen, der es möglich macht (unter Berücksichtigung eines entsprechenden Nutzungsverhaltens), Schimmelpilzwachstum in Zukunft zu vermeiden. Es wird unerlässlich bleiben, dass bei erhöhtem Tauwasser-, Kondensatbildung z. B. auf Fensterscheiben oder auf Bauteilen, die nicht in der Lage sind Feuchtigkeit aufzunehmen, diese per Hand zu entfernen. Das heißt, der Einsatz von Trocknungstüchern, sowohl für Fensterscheiben als auch für Duschtrennwände wird auf Dauer nicht zu ersetzen sein.

Bild 8: Druck-Saugtrocknung eines Flachdaches.

Selbst bei Hochleistungslüftungsanlagen (siehe Bild 8) ist immer wieder mit Restfeuchte in Verbindung mit Kondensat an gefährdeten Bauteilen zu rechnen. Auch dem Einsatz von Lüftungsanlagen und den damit in Verbindung stehenden zusätzlichen Energie- und Wartungskosten sind Grenzen gesetzt. Aus eigener Erfahrung: Wer hat nicht schon in Hotelzimmern die Klimaanlage ausgeschaltet, weil die Geräusche als stark störend empfunden wurden?

Wenn nun eine bauschadensfreie Konstruktion, sowohl in technischer als auch in baukonstruktiver Hinsicht vorhanden ist, liegt es wohl an den Menschen/Nutzern und auch in dessen Verantwortungsbereich, Schimmelpilzwachstum zu vermeiden.

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