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Nachhaltig planen und bauen, Bundestagswahl 2017
Bundestagswahl 2017: Der VDI hat die Parteien zum Thema „Nachhaltig planen und bauen“ befragt. (Quelle: Tim Reckmann/Pixelio.de)

Bundestagswahl 2017: So stehen die Parteien zum Thema „Nachhaltig planen und bauen“

Der VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V. hat die Parteien, die wahrscheinlich in den nächsten Bundestag einziehen, zum Thema „Nachhaltig planen und bauen“ befragt. Bis auf die AfD haben alle Parteien geantwortet.

Gute Wohnstandards in nachhaltig und energieeffizient entwickelten Gebäuden sind aus Sicht des VDI wichtige Voraussetzungen für lebenswerte Städte und Gemeinden. Rund 35 Prozent des Endenergieverbrauchs entfielen auf die Klimatisierung von Wohn- und Nichtwohngebäuden. Der Gebäudebestand könne nur dann bis Mitte des Jahrhunderts nahezu klimaneutral werden, wenn dessen Potenziale für den effizienten Umgang mit Energie gehoben würden.

Nachhaltig planen und bauen: Fragen des VDI

  1. Die in den vergangenen Jahren erreichten Fortschritte und politischen Maßnahmen auf dem Gebiet der Gebäudeenergetik werden nicht ausreichen, um die nationalen Effizienzziele zu erfüllen. Welche politischen Impulse halten Sie für sinnvoll, um Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäudebestand und Neubau sowohl für Wohngebäude als auch für Nichtwohngebäude zu fördern?
  2. Wie stehen Sie zu einer Verbesserung der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung?
  3. Wie bewerten Sie eine Verschärfung der EnEV bzw. entsprechender Regelungen in einem zukünftigen Gebäudeenergiegesetz?
  4. Für die Qualifikation von Energieberatern in den Bereichen Bauen, Gebäudetechnik und Industrie besteht zurzeit kein ganzheitliches Anforderungsprofil. Wie stehen Sie zu der Forderung nach Einführung einer bundesweit einheitlichen Qualifikation?
  5. Building Information Modeling (BIM) ermöglicht eine verlässliche Datenbasis für alle an Planung, Umsetzung und Bewirtschaftung von Bauprojekten Beteiligten. Wie will Ihre Partei die umfassende Implementierung von BIM bei Planung und Umsetzung von Projekten in Deutschland fördern? Welche Rolle kommt der öffentlichen Hand hierbei zu?

Nachhaltig planen und bauen: Die Antworten der Parteien

Bundestagswahl 2017: Der VDI fragt, die Parteien antworten – Teil 2: Nachhaltig planen und bauen

Positionen und Forderungen des VDI

Gebäudeenergetik

Die in der Vergangenheit erreichten Fortschritte und Maßnahmen auf dem Gebiet der Gebäudeenergetik werden nicht ausreichen, um Deutschlands Effizienzziele zu erreichen. Der VDI empfiehlt der Politik daher, weiterführende Maßnahmen und Anreizsysteme – vor allem für Bestandsimmobilien zu schaffen, um diese Ziele doch noch zu erreichen. So fordert der VDI u. a. wirksame steuerliche Abschreibungsmodelle für Energieeffizienzmaßnahmen im Bestand und Neubau sowohl für Wohngebäude als auch für Nichtwohngebäude. Die bestehenden Fördermaßnahmen müssten transparenter und wirtschaftlich attraktiver werden. Eine gesetzlich vorgegebene Mindestausstattung an Mess- und Anzeigegeräten zur Visualisierung des Energieverbrauchs von Gebäuden würde die Transparenz erhöhen und Bewohner bzw. Nutzer in die Lage versetzen, den Energieverbrauch bewusster zu steuern. Darüber hinaus empfiehlt der VDI einheitliche Qualitätsstandards für Energieberater in den Bereichen Bauen, Gebäudetechnik und Industrie.

Gesundheit und Hygiene in Gebäuden

Luftqualität in Innenräumen ist aus Sicht des VDI ein wesentlicher Faktor der Aufenthaltsqualität und Gesundheitsvorsorge. Sie dürfe sich durch die ungeeignete Umsetzung von Energieeinsparmaßnahmen nicht verschlechtern. Die entsprechenden Anforderungen der Musterbauordnung müsse im Neubau, vor allem jedoch bei der Sanierung von Bestandsbauten umgesetzt werden. Neue Erkenntnisse über Schadstoffe in der gebauten Umwelt (asbesthaltige Fliesenkleber und Spachtelmassen) seien ebenfalls von hoher gesundheitlicher Relevanz. Um die Gefährdung durch PCB und Asbest zu minimieren, seien die entsprechenden Regelungen wie die Asbestrichtlinie und die Gefahrstoffverordnung zu novellieren.

Smart Cities

Immer mehr Menschen wollen im städtischen Umfeld leben und arbeiten. Darüber hinaus erfordere der demografische Wandel ein gesteigertes Maß an Barrierefreiheit sowohl in Gebäuden als auch im öffentlichen Raum. Der VDI empfiehlt, die Förderung der Umgestaltung von Wohnraum in barrierefreie Wohnungen enger mit der Förderung des energetischen Umbaus zu verknüpfen. Parallel dazu solle die Förderung von Stadtumbauplänen immer mit einem verpflichtenden barrierefreien Stadtumbau verbunden werden.

In den kommenden Tagen folgen Fragen und Antworten zu Themen wie Forschungsförderung, Digitalisierung und technische Bildung. (fei)

VDI: „Empfehlungen für die 19. Legislaturperiode“

Teil 1 der Befragung zum Thema „Energiewende erfolgreich umsetzen“ lesen Sie hier:

Bundestagswahl 2017: So stehen die Parteien zur Energiewende

Mehr zur Bundestagswahl 2017 lesen Sie hier:

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