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Gasausstieg: Holland macht ernst

Die Niederlande wollen langfristig aus der Gasnutzung aussteigen. Schon ab diesem Sommer sollen Neubauten nicht mehr mit Erdgas geheizt werden. In Deutschland ruft das gemischte Reaktionen hervor.

Die Debatte dauert an

In den Niederlanden ist es ab 01.07.2018 verboten, neue Häuser mit Erdgas zu heizen. Der Gesetzesentwurf stammt von der linksliberalen D66, einer von vier Parteien in der Regierungskoalition von Ministerpräsident Mark Rutte. Nachdem das Parlament schon Anfang des Jahres zugestimmt hatte, gab kürzlich auch der Senat sein Einverständnis. Basis des Beschlusses ist die Energieagenda der Regierung, die bis 2030 eine CO2-Minderung von 49 Prozent vorsieht. "Die Debatte um den Ausstieg aus der Nutzung von Gas dauerte schon einige Jahre", berichtet Rob Jetten, Abgeordneter von D66.

95 Prozent der Haushalte an Gasnetz angeschlossen

Dann gab es am 08.01.2018 im Raum Groningen ein Erdbeben der Stärke 3,4, das auf die dortige Gasförderung zurückgeführt wird. Groningen ist die Region, wo das niederländische Erdgas gefördert wird. Das Land versorgt sich weitgehend selbst und 95 Prozent der Haushalte sind an das Gasnetz angeschlossen.
Umso radikaler wirkt die Entscheidung gegen eine weitere Nutzung von Erdgas. "Das Erdbeben in Groningen war ein Weckruf. Jeder versteht, dass wir vor großen Veränderungen stehen und die Zeit war reif, eine starke Entscheidung zu treffen" , begründet Jetten, wie die politische Mehrheit für das Gesetz zustande kam.

Casper Tigchelaar vom Energieforschungszentrum ECN beschreibt die Stimmung im Land ähnlich: "Es ist ein sehr ambitionierter Plan und ein totaler Wandel in der Energiepolitik." Er habe sehr viel positive Energie in die Klimadebatte gebracht. "In den nächsten Jahren werden in den Niederlanden eine Million neue Häuser gebaut", fährt der Abgeordnete Rob Jetten fort. 

Alternativen: Wärmepumpen, Solarstrom, Abwärme

Als Alternative sieht die Regierung vor, dass die Hälfte der Neubauten künftig mit Wärmepumpen geheizt wird, die mit möglichst viel Strom von Solarpanelen auf dem Dach versorgt werden. 30 Prozent der Neubauten könnten an Wärmenetze angeschlossen werden.  "In manchen Regionen wie um den Hafen von Rotterdam gibt es viel Industrie, deren Abwärme man nutzen könnte", sagt Jetten.

In anderen Regionen werde keine der beiden Möglichkeiten greifen. Dort könne grünes Gas eine Lösung sein, sagt er. Für schwierige Fälle wird zurzeit noch an Ausnahmeregelungen gearbeitet. Sie sollen aber nur sehr begrenzt sein. Die wirkliche Herausforderung sei ohnehin, im Gebäudebestand ohne Gasheizungen auszukommen, räumt Jetten ein. Hier werden Städte und Gemeinden entscheiden, welches die beste alternative Heizung für Quartiere oder einzelne Gebäude ist.

Reaktionen aus Deutschland

In Deutschland stößt das Gesetz auf ein geteiltes Echo. Christian Noll von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz wertet es positiv: "Es gilt immer nationale Besonderheiten und individuelle Härten zu berücksichtigen. Dennoch ist bemerkenswert: Unsere Nachbarstaaten wie die Niederlande und Dänemark machen konsequente Klimaschutzpolitik, während die Bundesregierung immer noch auf der Stelle tritt."

Timm Kehler, Geschäftsführer der Initiative „Zukunft Erdgas“, sieht das naturgemäß anders:  "Der sehr überwiegende Teil der niederländischen Häuser wird heute und in Zukunft mit Erdgas warm. Das niederländische Verbot von Gasheizungen, das sich nur auf Neubauten bezieht, gehört daher in die Kategorie Symbolpolitik." Für Deutschland sei das Gesetz kein Vorbild. Nur eine technologieoffene Strategie im Gebäudesektor liefere den höchsten Klimaschutz zu niedrigsten Kosten, meint Kehler.

"Wir müssen jetzt handeln"

Die Niederlande aber wollen den Ausstieg aus dem Gas weiter vorantreiben. Die Felder in Groningen sollen in fünf Jahren nur noch halb so viel Gas produzieren. In zehn Jahren soll die Förderung dann ganz enden. Die Konsequenz:  "Wir werden Gas aus anderen Ländern brauchen" , sagt Jetten. Allerdings nur übergangsweise, bis der Gasverbrauch reduziert ist. Was Alternativen angeht, müsse die Regierung entscheiden, ob sie beispielsweise Subventionen für die Erschließung neuer Wärmequellen aus der Geothermie verteile.  "Auf jeden Fall wollen wir die Gastransformation nutzen, um eine grüne Transformation zu schaffen", sagt Jetten. "Wir müssen jetzt handeln, um so klimaneutral wie möglich zu werden. Sonst bekommen wir ein großes Problem." (fei)

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