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Das Handwerk als Gestalter der Wärmewende

Viele private Hausbesitzer merken es jetzt wieder: Wenn es draußen kalt wird, schießen die Heizkosten durch die Decke. Mit dem beschlossenen Verbot neuer Ölheizungen, einer hervorragenden Austauschförderung von bis zu 45 % der Kosten und dem zukünftigen CO2-Preis für Öl und Gas ist eine Heizungssanierung aktuell wie nie.

Das Praxisprojekt „Handwerk als Gestalter der Wärmewende (c.HANGE)“, gefördert vom Umweltministerium Baden-Württemberg, zeigt, wie Hauseigentümer, Handwerker und das Klima vom Umstieg auf erneuerbare Wärme profitieren. Für die steigende Nachfrage nach erneuerbaren Energien gibt es aber zu wenig Fachhandwerker.

Denn der Handwerksbetrieb vor Ort ist für die meisten privaten Eigentümer von Ein- und Mehrfamilienhäusern immer noch der erste Ansprechpartner, wenn die Heizung getauscht werden muss. „Knapp 60 % der Hausbesitzer wünschen sich eine individuelle Beratung“, erklärt Dr. Martin Pehnt, Geschäftsführer des ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg). Energieberater spielen nur eine untergeordnete Rolle. Das ist eines der Ergebnisse des Forschungsprojektes zum „Handwerk als Gestalter der Wärmewende (c.HANGE)“, das vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg gefördert und dessen Endbericht jetzt veröffentlicht wurde.

Umstieg lohnt sich: CO2-Steuern machen Heizöl 18 ct teurer

„Vor allem der einzelne Handwerker hat es in der Hand, welche Heizungen künftig eingebaut werden. Den Endkunden sollten schon jetzt die Auswirkungen der neuen CO2-Preise vermittelt werden. 2025 wird der Liter Heizöl rund 18 Cent teurer sein“, sagt Pehnt.

In der Zusammenarbeit von sieben Heizungsbau-Betrieben, den Städten Schriesheim und Heidelberg und mehreren Forschungseinrichtungen in einem „Reallabor“ wurde deutlich, dass der Umstieg auf erneuerbare und klimaschonendere Heizungen ein wichtiges künftiges Geschäftsfeld für Handwerksbetriebe im Bereich Sanitär-Heizung-Klima (SHK) ist. 84 % der SHK-Betriebe sehen in den Erneuerbaren ein mittleres oder großes wirtschaftliches Potenzial. Durch die im Klimapaket verabschiedeten Maßnahmen erwarten die Forscher eine deutlich anziehende Nachfrage nach neuen Heizungen mit erneuerbaren Energien.

Hauseigentümer beschäftigen sich meist mit einer neuen Heizanlage, wenn bei der alten Anlage technische Störungen auftreten oder die Energiekosten merklich zu hoch ausfallen. „Der Kesseltausch lohnt sich aber meist schon eher“, erklärt Pehnt. Um aktiv auf die Kunden zugehen zu können, wurden im Rahmen des Projektes daher ein spielerischer „Kesselcheck“ und ein Beratungsleitfaden erarbeitet, der die Erneuerbaren Energien einbezieht. Mit Erfolg: Im Anschluss an die Beratung entschieden sich die Hälfte der Teilnehmenden für einen neuen Kessel, einen Zusatzkessel oder eine Wärmedämmung. Auch wenn die andere Hälfte der Beratenen nicht unmittelbar eine der empfohlenen Maßnahmen umsetzte, waren sie dennoch mit der Beratung zufrieden: „Über 95 % der Hauseigentümer würden die Beratung eher oder auf jeden Fall weiterempfehlen“, so Dr. Frieder Rubik vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). „Das zeigt, wie groß der Beratungshunger ist.“

Um die wirtschaftlichen Potenziale der Energiewende im Heizungskeller zu nutzen, benötigen Handwerksbetriebe jedoch oftmals auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Unterstützung, so Andreas Ihm vom Institut für Betriebsführung im Deutschen Handwerksinstitut (itb im DHI e.V.): Eine Befragung von 157 baden-württembergischen SHK-Betrieben zeigte, dass der Bedarf an zusätzlichem Wissen auch bei den Handwerksbetrieben selbst hoch ist. Aus Sicht der Betriebe sollte das Thema „Erneuerbare“ stärker in der Ausbildung verankert werden. Gleichzeitig gibt es durch die aktuell sehr gute Auslastung der Handwerksbetriebe und den spürbaren Fachkräftemangel für die Branche aber keinen besonderen Druck, sich neue Geschäftsfelder abseits der bekannten Pfade zu erschließen.

Kann der Nachwuchs den steigenden Ansprüchen genügen?

Zugleich stellen die an dem Forschungsprojekt beteiligten Betriebe neben den Auswirkungen des demografischen Wandels auch ein sinkendes Bildungs- und Leistungsniveau der nachkommenden Auszubildenden fest – fatal angesichts der immer komplexer werdenden Heizungstechnologien und immer mehr Digitalisierung. Steigende Durchfallquoten und Ausbildungsabbrüche verdeutlichen den Handlungsdruck. „Wir schlagen daher vor, Handwerksunterricht an weiterführenden Schulen zu stärken, die Ausbildungsvergütung für Heizungsbauer zu erhöhen und neue Zielgruppen für das SHK-Handwerk zu erschließen“, sagt Pehnt vom ifeu.

Hintergrund: Das Projekt „c.HANGE – Das Handwerk als Gestalter der Wärmewende“ hat zwischen 2017 und 2019 die Rolle von Handwerksbetrieben für eine nachhaltige Heizungserneuerung untersucht.

Neben dem ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung), das die Leitung innehatte, waren an diesem als Reallabor angelegten Projekt mit dem Institut für Betriebsführung im Deutschen Handwerksinstitut (itb), der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Wirtschaftsinformatik und dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) unterschiedliche Fachrichtungen beteiligt.

Das Vorhaben wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Handwerk, Energieberatern sowie Verbänden, Berufsschulen, Vereinen und den Stadtverwaltungen von Schriesheim und Heidelberg durchgeführt. Der Schwerpunkt des Projekts lag auf selbst genutzten oder privat vermieteten Wohngebäuden und mit Fokus auf Einzelheizungen mit Erneuerbaren Energien.

Hauptziel war es, die Interaktion des SHK-Handwerks mit privaten Endkundinnen und Kunden zu untersuchen und zu deren Verbesserung beizutragen, um so den Handwerksbetrieben zu helfen, die Potenziale der Energiewende zu nutzen.

Quelle: ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung

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