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getAir Geschäftsführer Gerald Harml

Ein Gespräch mit getAir Geschäftsführer Gerald Harml: „Die Wohnraumlüftung war erst der Anfang…“

Als einer der Technologieführer in der dezentralen Wohnraumlüftung hat getAir den Lüftungsmarkt in den letzten Jahren immer wieder mit intelligenten Produktideen und Lösungsansätzen bereichert. Um seinen Anspruch als Innovationsführer zu bestätigen, hat sich getAir bereits ein neues ambitioniertes Ziel gesetzt: In den nächsten Jahren wollen die hochmotivierten Niederrheiner der weltweit führende Hersteller für Indoor Air Quality Systeme werden. Geschäftsführer Gerald Harml gibt im Interview erste Einblicke in die neue Unternehmensstrategie und langfristige Ausrichtung, die man bereits auf der ISH 2019 in den ersten Ansätzen bestaunen konnte.

Frage 1: Seit etwa zehn Jahren gibt es durchschnittlich zweistellige Wachstumsraten im Bereich der dezentralen Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Wie lange kann es noch in diesem Tempo weitergehen? Sehen Sie nicht die Gefahr einer gewissen Marktsättigung?

Ein Wachstumsrückgang, geschweige denn eine Sättigung von dezentralen Systemen auf dem deutschen Markt, scheint nicht in Sicht. Weiterhin wächst das Segment seit mehr als 10 Jahren zweistellig. Und bei dem eigentlichen Bedarf zu sanierender Wohngebäude müssten die Absatzzahlen in Zukunft sogar eher noch weiter steigen... Dabei wird momentan sogar erst ein relativ geringer Anteil der sanierungsbedürftigen oder neugebauten Wohngebäude mit einem Wohnraumlüftungssystem mit Wärmerückgewinnung (WRG) ausgestattet. Der Löwenanteil wird nach wie vor ohne ein Lüftungssystem ausgeführt oder bestenfalls mit einem Abluftsystem ohne Wärmerückgewinnung. Obwohl die Sensibilität der Bewohner für gesundes Wohnklima zunehmend steigt.

Einen zusätzlichen Impuls werden die Klimaziele 2030 bzw. 2050 auslösen. Hier liegt Deutschland gerade in der Gebäudesanierung ordentlich hinter den selbst gesteckten Zielen. Das Ziel, den Wärmebedarf bis 2020 um 20% zu senken, ist schon jetzt nicht mehr einzuhalten. Um bis 2050 den Wärmebedarf um 80% zu reduzieren, sind noch enorme Anstrengungen vonnöten. Laut Bundesregierung sollen dafür 118 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Wir gehen daher in den nächsten Jahren von einem massiven Förderungs- und Subventionierungsvolumen für private Haushalte aus, die auch Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung betreffen werden. Zusätzlich steigt der Bedarf an bezahlbarem sowie lärm- und schadstofffreiem Wohnraum, speziell in Ballungszentren. Die dezentrale Wohnraumlüftung bietet hier eine einmalige Lösung, da sie punktgenau an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann. Und das in einem sehr attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.

Frage 2: Warum erlebt die dezentrale Wohnraumlüftung Ihrer Meinung nach derzeit einen solchen Boom? Gibt es plötzlich neue Erkenntnisse zur dezentralen Lüftung?

Ich beobachte die kontrollierte Wohnraumlüftung und insbesondere die dezentrale Lüftung seit mehr als fünf Jahren. Als früherer, langjähriger Mitarbeiter einer der größten Anbieter für Fensterbeschläge habe ich sehr wesentlich auch die Performancesteigerung des Fensters mitgestalten dürfen: Von einem „Loch-zu-Element“ zu einem Hightechprodukt, das durch perfekte Dichtheit besonders energieeffizient ist. Nachdem mittlerweile die gesamte Gebäudehülle optimiert und dadurch zunehmend dichter wird, entstehen neue Herausforderungen für die Lüftung. Eine eher einfach gestrickte Lösung ist es, die Fenster wieder bewusst undicht zu machen, um zumindest die Lüftung zum Feuchteschutz zu gewährleisten. Eine für mich nicht nachvollziehbare und schon gar nicht nachhaltige Entwicklung, aber preislich günstig und daher leider sehr verbreitet. Auch die zentralen Lüftungssysteme konnten mich aufgrund ihrer Kosten- und Planungsintensität sowie der aufwendigen Wartung nicht überzeugen. Auf der Suche nach einer idealen und bezahlbaren Wohnraumlüftung fand ich die dezentralen Wohnraumlüftungen mit WRG als nahezu perfekt: Verständliche, einfache Planung sowie geringer Montage- und Wartungsaufwand bei höchster Energieeffizienz.

Die hohe Lüftungseffizienz dezentraler Wohnraumlüftung mit WRG wurde kürzlich mit einer aktuellen Forschungsarbeit der Technischen Universität Aachen eindrucksvoll belegt. Die Ergebnisse zeigen auf, dass die dezentralen Lüftungsanlagen genauso effizient in der Luftwechselrate sind, wie die zentralen Anlagen und das bei einer idealen Luftdurchmischung. Damit wurden auch die letzten Zweifel an der Effizienz dieser Systeme ausgeräumt.

Frage 3: Auf welche neuen Produktentwicklungen dürfen wir bei getAir in den nächsten Jahren gespannt sein?

getAir hat es in relativ kurzer Zeit geschafft, sich als Technologie- und Innovationstreiber in der Branche einen Namen zu machen. Uns war und ist es immer wichtig, mit neuen Ideen und Lösungen rund um die kontrollierte Wohnraumlüftung voranzugehen. Dabei orientieren wir uns ausschließlich am Nutzen und Mehrwert für die Bewohner und denken Innovation ganzheitlich. Unser Ziel ist es unseren Vertriebspartnern innovative Produkte sowie überdurchschnittliche Services und Dienstleistungen anzubieten, die aktuelle und künftige Marktanforderungen nicht nur erfüllen, sondern den neuen Standard im Markt definieren. Technologische Errungenschaften, wie werkzeuglose Endmontage, Schallschutzblenden sowie schwingungsentkoppelte Lüftereinheiten, konnten bereits einen großen Kundenkreis von uns überzeugen.

Aber auch dem Zeitgeist müssen die Systeme entsprechen, deshalb haben wir uns erfolgreich der Herausforderung der Digitalisierung gestellt: Auf der diesjährigen ISH Frankfurt haben wir ein System vorgestellt, das als weltweit erstes Wohnraumlüftungssystem per App- und Sprachsteuerung mit Alexa von Amazon und dem Google Assistant bedient werden kann. Das ist jedoch nur der erste kleine Schritt in diese Richtung. Unsere Systeme sollen zukünftig auch in jedes gängige Smart Home System integrierbar sein. Eine weitere Herausforderung ist es, die Lüfter noch leiser, bei gleichzeitig höherem Volumenstrom und geringerem Energieverbrauch zu konstruieren. Diese „Quadratur des Kreises“ haben wir bereits auf der ISH angekündigt. Dazu werden wir einen völlig neuen, einmaligen Badlüfter auf den Markt bringen, mit einem neuartigen Ventilator mit noch höherer Luftleistung bei geringerem Eigengeräusch. Selbstverständlich auch integrierbar in unser Digitalisierungskonzept. In weiterer Folge werden wir auch unsere SmartFan Systeme weiterentwickeln und mit neuen, zusätzlichen praktischen Funktionen ausstatten.

Hinweisen möchten wir auch auf unsere begleitenden Innovationen im Bereich Planung, Auslegung und Angebotserstellung. In Zeiten von Fachkräftemangel und zunehmendem Termindruck sind intelligente Tools zur Planung unerlässlich. Dazu stellen wir unseren Vertriebspartnern eine breite Auswahl an innovativen Tools zur Verfügung und arbeiten parallel bereits an der nächsten Generation.

Frage 4: Auf der ISH 2019 kündigten Sie eine neue Unternehmensstrategie mit neuen Geschäftsfeldern an. Können Sie diese neue Strategie näher beschreiben?

Wir sind sehr stolz auf unsere bisher erreichten Leistungen und Erfolge in der kontrollierten Wohnraumlüftung. Als dynamisches Unternehmen mit einem hochmotivierten Team gilt es nun auf diesem Fundament unsere Produkte und Dienstleistungen weiter zu optimieren und das Servicelevel noch weiter zu steigern.

Die Wohnraumlüftung war erst der Anfang, in Zukunft werden wir noch einen Schritt weiter gehen, bei dem es uns verstärkt um das gesamte Thema der Innenraumluftqualität (Indoor Air Quality) geht. Dies umfasst Systeme der Wohnraumlüftung, Luftreinigung und Beduftung sowie deren digitale Vernetzung und Integration in alle gängigen Smart Home Systeme. Daher werden wir in den nächsten Jahren neben den Weiterentwicklungen im Wohnraumlüftungsbereich besonders die Themen „Luftreinigung“, „Sensorik“ und „digitale Anbindung und Steuerung“ fokussieren und vorantreiben.

Frage 5: Was genau bedeutet „Indoor Air Quality“ für getAir?

„Indoor Air Quality“ bedeutet für uns das gesamte Thema Luftqualität im Innenraum. Wir haben die Vision, allen Menschen mit unseren Produkten ein gesundes Wohnen zu ermöglichen. Das bedeutet, die Innenraum- wie Außenluft zu analysieren und mit unseren technischen Mitteln Produkte zu entwickeln, die für eine unbelastete Frischluft sorgen. Vor allem in Ballungszentren mit hohem Verkehrsaufkommen befinden sich viele gesundheitsschädliche Stoffe, wie z.B. Feinstaub, in der Außenluft. Eine zu hohe Feinstaubbelastung kann zu Lungen- und Herzerkrankungen führen. Weltweit sterben laut WHO mehr als sieben Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen von Feinstaub. Feinstaub gehört damit, neben Übergewicht und Rauchen, zu den zehn größten Gesundheitsrisiken.

Dem Thema Luftreinigung messen wir deshalb die höchste Bedeutung bei. Mit unserem innovativen Luftreinigungssystem können selbst kleinste Ultra-Feinstaubpartikel aus der Raumluft herausgefiltert werden (einzigartiger Filtergrad von PM1.0). Damit wollen wir die gesundheitlichen Folgen von schadstoffbelasteter Raumluft auf ein Minimum reduzieren. Nie mehr Kopfschmerzen, keine Konzentrationsschwächen, keine Folgeerkrankungen oder Verschlechterungen des gesundheitlichen Zustandes durch Schimmel, Milben, Allergien und Feinstaub.

Gleichzeitig nimmt auch das Bewusstsein des Endverbrauchers für Gesundheit immer weiter zu. Knapp ein Drittel der Deutschen achten laut dem Statistik-Portal Statista sehr stark auf ihre Gesundheit. Dies ist nicht nur bei Ernährung und Bewegung, sondern auch bei der Wohngesundheit der Fall. Solche Entwicklungen und Trends greifen wir bei getAir auf, um langfristig und nachhaltig Produkte mit einem hohen gesundheitlichen Mehrwert zu entwickeln.

Frage 6: An welchen Produkten zur Luftreinigung arbeitet getAir konkret?

Bereits jetzt können die getAir Lüftungssysteme mit einem PM2.5 Feinstaubfilter ausgestattet werden, der einen Großteil der schädlichen Kleinstpartikel aus der Zuluft entfernt. Jedoch ist für ultrafeine Partikel ein System mit deutlich feinerem Abscheidungsgrad nötig. Dafür haben wir ein patentiertes Luftreinigungssystem entwickelt – der Air Purifier One. Dieses System besitzt einen Filtergrad von PM1.0 mit dem selbst kleinste Schadstoffteilchen aus der Luft herausgefiltert werden können. So gelangen gesundheitsschädliche Schwebstoffe gar nicht erst in den Wohnraum.

Wie bei allen getAir Systemen wird auch beim Air Purifier viel Wert auf einen besonders leisen Betrieb, einen sehr geringen Energieverbrauch, sowie eine kinderleichte Wartung und Reinigung gelegt. Diese Weltneuheit macht einen teuren Filterwechsel, wie bei herkömmlichen Systemen mit HEPA- und Aktivkohle-Filtern, völlig überflüssig. Der Filter des Air Purifier kann ganz einfach in der Spülmaschine gereinigt werden. So hält der Filter ein Leben lang und es entstehen keine Folgekosten. Damit setzen wir verstärkt auf ökologisch nachhaltige Produkte. Mit dem Air Purifier ist uns bereits ein Meilenstein in der Filtertechnologie gelungen und weitere spannende Innovationen befinden sich bereits in der Testphase.

Frage 7: Da machen Sie uns neugierig – können Sie uns vielleicht schon einen etwas konkreteren Einblick in diese Zukunftsvisionen von getAir geben?

Wie bereits gesagt, wird das Bewusstsein und Interesse für die gesundheitlichen Aspekte des Bauens und Wohnens weiter zunehmen. Außerdem erleben wir, dass die Endverbraucher seit Jahren immer selbstbestimmter werden und gezielt die Produkte, die ihr eigenes Zuhause betreffen, eigenständig nach ihren Anforderungen aussuchen. Dabei geht es ihnen in erster Linie um Qualität, Langlebigkeit und Einfachheit bei Installation und Wartung. Doch auch die Benutzerfreundlichkeit und die digitale Vernetzung spielen eine zunehmend große Rolle. Daher werden wir zukünftig eine ausgewogene Produkt-Auswahl für dezentrale Wohnraumlüftung und Luftreinigung für jede Anforderung anbieten.

Dabei orientieren wir uns auch an den sogenannten Digital Natives, der für uns immer relevanteren Zielgruppe, die mit digitalen Medien aufgewachsen ist. Wir entwickeln z.B. Steuerungen, die smart bedienbar sind, wie die App-Steuerung oder auch die Sprachsteuerung mit Alexa von Amazon und dem Google Assistant. Diese werden bereits Ende dieses Jahres in die Serienproduktion gehen. Im Bereich der Luftreinigung arbeiten wir momentan im Versuchsumfeld mit dem Prototyp einer eigens entwickelten Künstlichen Intelligenz. Damit berechnet der Air Purifier dank Deep Learning selbstständig Luftqualität, Temperatur, Feuchtigkeit sowie individuelle Lüftungsanforderungen und sorgt vorausschauend für die perfekte Innenraumluftqualität. Natürlich wird es gleichzeitig auch immer die Möglichkeiten geben, all unsere Systeme manuell zu steuern, um stets die Kontrolle zu behalten.

Herr Harml, wir danken Ihnen für das sehr aufschlussreiche Gespräch!

Quelle: getAir GmbH

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