Recknagel
Bürgerdialog Stromnetz: Infrastrukturmaßnahmen wie SuedLink spalten momentan die Nation. Die Initiative organisiert Dialogangebote unmittelbar vor Ort in den Regionen, in denen Vorhaben geplant sind. (Quelle: kflgalore/Fotolia.com)

Wenig Akzeptanz für Infrastrukturmaßnahmen: Bürgerdialog Stromnetz startet

Für das Gelingen der Energiewende ist die breite Akzeptanz durch die Bürger zentral: Während eine große Mehrheit die Energiewende grundsätzlich befürwortet, fehlt es bei den notwendigen Infrastrukturmaßnahmen oft noch an Akzeptanz. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert deshalb die Initiative "Bürgerdialog Stromnetz", die am 18. Mai 2015 mit einer Auftaktveranstaltung in Berlin gestartet ist.

Infrastrukturmaßnahmen wie der Bau von Stromtrassen haben Auswirkungen auf Mensch und Umwelt und erzeugen Verunsicherung und Ängste. Gleichzeitig sind viele Bürger zunehmend bereit, den Umbau der Energieversorgung selbst aktiv mitzugestalten, und fordern mehr Beteiligung ein.

Bürgerdialog Stromnetz: Vor-Ort-Angebote an den Hotspots

Bei Vorhaben, die ihr unmittelbares Lebensumfeld betreffen, fordern Bürger zunehmend mehr Information und Beteiligung ein. Große Infrastrukturmaßnahmen, die für die Energiewende dringend erforderlich sind, lassen sich nur mit ihnen realisieren, nicht gegen sie. Ein intensiver Austausch zu den geplanten Vorhaben und den Spielräumen bei der Planung ist notwendig. Dafür bedarf es einer neuen Dialogkultur, die alle Interessierten einbezieht und die verschiedenen Belange der Betroffenen berücksichtigt.

Die Initiative Bürgerdialog Stromnetz organisiert Dialogangebote unmittelbar vor Ort in den Regionen, in denen Vorhaben geplant sind. Im Fokus stehen dabei Orte mit besonders großem Kommunikations- und Diskussionsbedarf, so genannte Hotspots des Netzausbaus.

In den Hotspot-Regionen werden ab Mai 2015 Bürgerbüros eingerichtet, die den Bürgern wohnortnah als feste Ansprechpartner für alle Belange rund um den Netzausbau zur Verfügung stehen. Die Bürgerbüros informieren die Öffentlichkeit fallabhängig; ihre Arbeit ist auf die regionalen Bedürfnisse und Besonderheiten zugeschnitten. So wird sichergestellt, dass dem Informationsbedürfnis der Bürger auch bei Netzausbauvorhaben mit langen Planungszeiträumen, mehreren Verfahrensebenen und unterschiedlichen Entscheidungsspielräumen entsprochen wird. Den Auftakt macht das Bürgerbüro in Quakenbrück (Landkreis Osnabrück), das am 22. Mai 2015 eröffnet wird; ein zweites Büro in Erfurt folgt Anfang Juni. Hinzu kommt ein mobiles Bürgerbüro, das ab Ende Mai flexibel in ganz Deutschland eingesetzt wird.

Der Parlamentarische Staatssekretär Uwe Beckmeyer (rechts) mit dem Leiter des "Bürgerdialogs Stromnetz", Dr. Peter Ahmels (Quelle: Christian Kruppa/BMWi)

Netzinfrastruktur: Offen für Diskussion

Die Bürgerbüros informieren aber nicht nur, sondern nehmen auch Anregungen der vom Netzausbau Betroffenen und der interessierten Öffentlichkeit auf, leiten diese an die Verantwortlichen weiter und geben den Bürgern Rückmeldungen zu ihren Anfragen. So ermöglichen die Bürgerbüros den Zugriff auf das Wissen und den Input der ortskundigen Betroffenen, die wesentlich zur Lösung der Konflikte vor Ort beitragen können.

Daneben sind vor Ort vielfältige Veranstaltungen geplant - von Bürger-Konferenzen über moderierte Bürger-Infomärkte bis hin zu Bürger-Abenden in Kleingruppen. So können sich die Menschen vor Ort frühzeitig, möglichst vor Beginn der formellen Öffentlichkeitsbeteiligung, über die geplanten Vorhaben informieren, ihre Sorgen und Nöte vortragen und gemeinsam miteinander über Lösungen diskutieren.

Der Dialogprozess wird nach Bedarf durch Mediationsangebote ergänzt. Die Internetplattform www.buergerdialog-stromnetz.de informiert über die Angebote der Initiative und bietet weitere Beteiligungsformate an - zum Beispiel einen virtuellen Diskussionsraum, d. h. ein so genanntes Bürger-Online-Forum mit Voting-Funktion, und einen Expertenchat. Auf diese Weise bietet die Initiative ein flächendeckendes Dialogangebot auch dort, wo keine Präsenz durch Bürgerdialogbüros vor Ort besteht.

Weiterführende Infos erhalten Interessierte auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. (gra)

Verwandte Themen
Reinhaltung der Luft
Neue Roadmap „Kommission Reinhaltung der Luft 2030“ veröffentlicht weiter
DGNB-Preis „Nachhaltiges Bauen“, wagnisART
DGNB-Preis „Nachhaltiges Bauen“ geht an „wagnisART“ in München weiter
Technische Gebäudeausrüstung
Neuer Leitfaden zu hydraulischen Verteilersystemen erschienen weiter
EnEff.Gebäude.2050
Ideenwettbewerb „EnEff.Gebäude.2050“: Das sind die Gewinner weiter
erneuerbare Energien, Netzintegration
Integration von erneuerbaren Energien: VDE|FNN legt Fahrplan vor weiter
Dämmung, Wärmebrückennachweis
WDVS-Planungsatlas: Wärmebrückennachweis jetzt für gesamtes Gebäude möglich weiter

Relevante Publikationen aus unserer RECKNAGEL-Edition für Sie:

"Energetische Inspektion in der Technischen Gebäudeausrüstung" von Joachim Trogisch
Leitfaden für Kompressionswasserkühlsätze
"Leitfaden für Lüftungs-und Klimaanlagen" von Lars Keller
"EnergieSynergie - optimiert planen, bauen und sanieren" von Volker Drusche