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Sonnenhaus Plottendorf

Die Hofgut Erler GbR – das sind die Familien von Siegfried, Axel und Michael Erler - verfolgt seit 2012 das Ziel, den ortsbildprägenden Vierseithof in Plottendorf mit einem generationsübergreifenden Ansatz langfristig zu sichern und gleichzeitig durch moderne Umbrüche zukunftsfähig zu gestalten. Die Familiengesellschaft hat zur Schaffung von Wohnraum die alte brachliegende Scheune des Hofes in ein passives Sonnenhaus mit autarker Energie- und Wasserversorgung umgebaut. Erster Spatenstich war im Oktober 2016 und nach drei Jahren Bauzeit kann das innovative Projekt jetzt erfolgreich abgeschlossen werden.

Das Sonnenhaus ist ein Haus dessen gesamter Energiebedarf (Wärme, Warmwasser und Strom) weitgehend durch die Sonne gedeckt wird. In Plottendorf steht nun ein solches Haus nicht etwa als Neubau auf der grünen Wiese, sondern in einer bisher brachgelegenen denkmalgeschützten Scheune eines Altenburger Vierseithofes. Die Umnutzung und Wiederbelebung des Gebäudes trägt damit zur Begrenzung des Flächenverbrauchs und zum Erhalt von landwirtschaftlicher Nutzfläche und natürlichen Lebensräumen bei.

Herzstück des Gebäudes ist ein thermischer Langzeitspeicher mit einem Wasservolumen von 12.690 Litern. Dieser wurde bereits am 15. Juni 2017 in einer spektakulären Aktion in die Gebäudehülle eingehoben. Der Speicher ist in der Lage etwa 1.000 kWh Energie in Form von Wärme zu speichern. Diese wird mit Hilfe von Kollektoren auf der Richtung Süden liegenden Dachfläche gewonnen und steht dann bis weit in den Winter hinein zur Verfügung. Die im Januar und Februar nötige, geringfügige Nachheizung wird durch einen wassergeführten Kaminofen mit Stückholz sichergestellt. Eine Besonderheit ist, dass die dafür nötige Holzmenge von ca. zwei bis drei Raummetern pro Jahr (im Energiegehalt vergleichbar mit ca. 200 L Heizöl) klein genug ist, um sie auf dem zum Hof gehörenden Grundstück zu gewinnen. Die Sonnenscheune ist somit in Punkto Wärmeversorgung zu 100% unabhängig. Die sommerlichen Wärmeüberschüsse werden zukünftig auf die anderen Gebäude des historischen Gebäudeensembles übertragen und gehen dadurch nicht verloren, sondern führen zu weiteren Energieeinsparungen bei den dort verbauten, noch herkömmlichen Heizungsanlagen.

Neben Wärme wird auf dem Dach der Scheune auch Strom gewonnen, der in einer ausreichend dimensionierten Batterie ebenfalls vor Ort gespeichert und verbraucht wird. Über eine vorhandene Ringleitung wurden alle Gebäude des Vierseithofes vernetzt und an die Versorgung mit Eigenstrom angeschlossen. Die Stromversorgung des Hofes erfolgt jetzt zu ca. 70% durch den selbst erzeugten Strom. Die Scheune wird dadurch zur erneuerbaren Energiequelle für den gesamten Hof.

Denkmalschutz schonend umgesetzt - Das Fachwerk in der Nordwand und Teilen der Südwand der Scheune wurde in historischer Bauweise mit zimmermannsmäßigen Verbindungen (Zapfen, Blätter und Holznägel) rekonstruiert, ausgestakt und mit Strohlehm ausgefacht.