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Energetische Gebäudesanierung, Wärmewende, Energiewende
Energetische Gebäudesanierung: Die Branche ist sich einig, dass ohne Wärmewende keine Energiewende möglich ist. (Quelle: Rainer Sturm/pixelio.de)

Kein Steuerbonus für Sanierer: Branche reagiert mit großem Unverständnis

Die Branche reagiert verständnislos und empört auf das erneute Scheitern der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung. Verbände, Institutionen und Industrie sind sich einig, dass ohne Wärmewende keine Energiewende möglich ist.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass der Koalitionsausschuss den bereits beschlossenen milliardenschweren Steuerbonus für das Dämmen von Gebäuden vorerst gestoppt hat.

Die Recknagel-Online-Redaktion hat die Reaktionen der Branche für Sie zusammengestellt:

TGA-Repräsentanz: Leere Ankündigungen machen Effizienzziele zunichte

Günther Mertz, Geschäftsführer der Repräsentanz der Verbände der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) Berlin: „Erneut werden jetzt die steuerlichen Anreize zur energetischen Gebäudesanierung zu Fall gebracht, obwohl sie seit Monaten angekündigt wurden. Notwendige Sanierungsmaßnahmen werden nun nicht durchgeführt, weil der vom Bundeskabinett in Aussicht gestellte Anreiz dazu nicht kommen soll. Die Verbände der Technischen Gebäudeausrüstung haben in der Vergangenheit vor den Folgen leerer Ankündigungen des Gesetzgebers gewarnt: Aufträge werden nicht erteilt und Maßnahmen, die zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden führen sollten, bleiben aus. Mit Ankündigungen, denen keine Taten folgen, wird der Gesetzgeber seine selbst gesetzten nationalen Energieeffizienzziele nicht erreichen! Wichtig ist nun, dass wenigstens die weiteren Vorhaben des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) und des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 zügig und konkret entwickelt werden, beispielsweise die Angleichung der Energieeinsparverordnung (EnEV) und des Erneuerbaren-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG).“

BDEW: Der nächste Akt eines Trauerspiels

Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): "Wir erleben den nächsten Akt eines Trauerspiels. Die Politik dokumentiert ihr klares Scheitern, bei den Bemühungen im Wärmemarkt Fortschritte zu erzielen. Hier werden erhebliche CO2- Einsparpotentiale verschenkt. Die Bundesregierung hat es damit leider auch versäumt, ihren eigenen Kabinettsbeschluss vom 3. Dezember 2014 zu erfüllen. KfW- Programme, die jetzt alternativ in Aussicht gestellt werden, haben nicht annähernd die gleiche Wirkung wie eine steuerliche Förderung. An diesem Beispiel sowie an der verfahrenen Situation im Bereich des Stromnetzausbaus zeigt sich erneut: Bund und Länder sind derzeit bei der Energiewende nicht zu einem koordinierten Vorgehen in der Lage. Dies schadet den energie- und klimapolitischen Zielen. Bund und Länder sind aufgerufen, Einzelinteressen zurückzustellen und endlich wieder die Energiewende in den Fokus zu rücken."

BEE: Klimaschutz im Gebäudesektor nicht stoppen

Dr. Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE): „Die Menschen im Land wollen in Klimaschutz investieren. Die wiederholte Ankündigung von steuerlichen Förderungen für Sanierungsmaßnahmen im Gebäudesektor, die dann doch nicht kommen, führt zu einer deutlichen Verunsicherung der Hauseigentümer. Die Schrumpfung des Heizungsmarktes im vergangenen Jahr verdeutlicht dies. Ein Investitionsvolumen in Höhe von einigen Milliarden Euro wird aufgrund der Ankündigungspolitik nicht umgesetzt, zum Schaden des Klimaschutzes und der deutschen Wirtschaft. Die Bundesregierung sollte jetzt handeln.“

Karl-Heinz Stawiarski, Sprecher der AG Wärme im BEE: „Es ist geradezu absurd, dass es in Zeiten, in denen der Gesamtstaat zweistellige Milliardenüberschüsse erwirtschaftet, an Finanzierungsfragen scheitern soll. Der Vertrauensverlust in die energiepolitische Handlungsfähigkeit der Politik wäre enorm.“

 

 

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