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Energetische Sanierung
Effiziente Sanierung: Auch bei kleinerem Geldbeutel bringt sie großen Effekt für das Klima. (Bild: Patrick Bal)

Effiziente und sozialverträgliche Gebäudesanierung: Neue Studie der TU Darmstadt

Nicht jede empfohlene und geförderte Maßnahme zur energetischen Sanierung ist für jedes Gebäude sinnvoll. Ein interdisziplinäres Team der TU Darmstadt stellt die Energiepolitik auf den Prüfstand und arbeitet im Rahmen einer Studie an Empfehlungen für einen möglichst großen Beitrag zum Klimaschutz zu möglichst geringen Kosten.

In der Studie wird ausgelotet, wie mit dem zur Verfügung stehenden Budget ein bestmöglicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann. Die Studie zielt konkret darauf ab, unter den für die Gebäudesanierung zur Verfügung stehenden Maßnahmen insbesondere diejenigen zu identifizieren, die besonders kosteneffizient und sinnvoll sind.

Damit widmet sich das interdisziplinäre Team verschiedener Fachbereiche der Aufgabe, Instrumente zu entwickeln, um die energetische Sanierung in puncto Nachhaltigkeit neu zu bewerten. Erstmals betrachteten die Wissenschaftler dafür die Gebäude, die möglichen Sanierungsmaßnahmen und deren Effekte in ihren systemischen Zusammenhängen und Wechselwirkungen. Gingen bisher in der Regel nur Endenergieverbrauch und Investitionskosten in Vergleiche ein, berücksichtigen die Darmstädter nun auch Aspekte wie etwa Behaglichkeit im Wohnbereich, die Effekte und Kosten von Energieverbrauch und Baumaterialien kurz- und langfristig auf die CO2-Bilanz, und die Investitionssumme für die Einsparung einer Kilowattstunde Endenergie.

Energetische Sanierung: Konkrete Empfehlungen für Beispielimmobilien

„Viele Eigentümer sanieren nicht, weil sie nicht wissen, welche Maßnahme in ihrem Fall am besten geeignet ist. Wir möchten ihnen aus diesem Dickicht heraushelfen“, sagt Nikolas Müller, der für den Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften am Projekt mitarbeitete. „Was lässt sich im Gebäude an Energie einsparen, habe ich dann ein behagliches Wohnklima und was kostet das – das sind die Faktoren, die Eigentümer interessieren“, resümiert er. So entwickelten die Forscher konkrete Empfehlungen für verschiedene Beispielimmobilien mit unterschiedlicher baulicher Ausstattung. In diesen „Roadmaps“ lässt sich auf einen Blick ablesen, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge ausgeführt bei der Sanierung den Geldbeutel und die Umwelt gleichermaßen schonen.

Studie TU Darmstadt: Empfehlungen an die Politik

Die Wissenschaftler stellten im Rahmen des Projekts auch politische Strategieansätze auf den Prüfstand. „Die besten Optionen, die wir in den Berechnungen herausgefiltert haben, entsprechen nicht unbedingt dem, was die Politik zurzeit fördert. In der Praxis treten die erwarteten Effekte bei der Energieeinsparung oft nicht ein und reichen nicht, um die Sanierungsinvestitionen zu refinanzieren“, erklärt Müller. Auch seien die Normen, die für Förderungen herangezogen würden, nicht immer realitätsnah oder legten verzerrende Werte zugrunde.

Ferner stellen die Forscher einen weiteren Aspekt heraus: Die staatliche Förderung begünstigt oft ineffiziente Maßnahmen. Gibt es zum Beispiel schon eine dünne Fassadendämmung, müsste in die – vom Staat geforderte oder auch geförderte – verbesserte Dämmung deutlich mehr Geld investiert werden, um spürbar Energie einzusparen, als in einem noch gar nicht gedämmten Haus, bei dem dieselbe Investition dann deutlich stärkere Effekte brächte. Ineffizient ist das in diesem Fall sowohl für den Eigentümer der Immobilie als auch im Hinblick auf die staatliche Mittelvergabe.

Die Analysen zeigen in diesem Kontext auch, dass die Mindestanforderungen zur bauphysikalischen Behaglichkeit im Verhältnis zu den bislang geforderten und geförderten Lösungen bereits mit geringen Aufwendungen sowohl beim Material als auch bei den Kosten erreicht werden können.

Energetische Sanierung: Das Gesamtkonzept zählt

Nach Abschluss des Projekts empfehlen die Forscher, in Gesetzesverordnungen nicht mehr einzelne Maßnahmen nur unter dem Aspekt der Energieeinsparung wie etwa Fassadendämmung singulär zu betrachten und zu fördern, sondern individuelle Sanierungskonzepte einzelner Gebäude unter Berücksichtigung der Endenergie- und CO2-Vermeidungskosten auf ihre Förderwürdigkeit hin zu bewerten. (fei)

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