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Richtlinienreihe VDI 6022, Hygiene in der Raumlufttechnik
Die Richtlinienreihe VDI 6022 beschreibt seit fast 20 Jahren den Stand der Technik bezüglich der Hygiene in der Raumlufttechnik. (Quelle: tl6781/Fotolia.com)

Fachbeitrag: VDI 6022 – Die neuen Entwürfe für Blatt 1 und Blatt 6

Im Januar 2017 sind die Richtlinienentwürfe der VDI 6022 Bl. 1 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte (VDI-Lüftungsregeln)“ [1] und Bl. 6 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Luftbefeuchtung über dezentrale Geräte – Hygiene in Planung, Bau, Betrieb und Instandsetzung“ [2] erschienen. Was sich genau geändert hat, erklärt Professor Achim Trogisch in seinem Fachbeitrag für die GI 1/17.

Die Richtlinienreihe VDI 6022 beschreibt seit fast 20 Jahren den Stand der Technik bezüglich der Hygiene in der Raumlufttechnik. Sie beinhaltet jetzt insgesamt sieben einzelne Blätter. Die Blätter 1.1 bis 1.3 [3], [4], [5] wurden in den Entwurf für Blatt 1 [1] integriert. Das Blatt 6 [6] und die Berichtigung von Bl. 6 [7] sind Grundlage für den neuen Entwurf von Bl. 6 [6].

1. VDI 6022 Bl. 1 (Entwurf) [1]

Dieser Richtlinienentwurf gilt für alle Aufenthaltsräume in Gebäuden. Er gilt für alle RLT-Anlagen und -Geräte und deren zentrale und dezentrale Komponenten, die die Zuluftqualität beeinflussen. Er gilt auch dann für Abluftanlagen, wenn diese die Zuluftqualität beeinflussen können.

Die Richtlinie gibt unter Berücksichtigung der Hygieneanforderungen Planungs-, Errichtungs- und Instandhaltungshinweise und beschreibt das Prüfverfahren und Prüfkriterien für RLT-Anlagen und -Geräte.

Inhaltlich werden behandelt:

  • Allgemeines
  • Anforderungen an Planung, Herstellung und Errichtung
  • Anforderungen an Betrieb und Instandhaltung
  • Messverfahren und Untersuchungen bei Hygienekontrollen und Hygieneinspektionen
  • Nutzungsspezifische Forderungen

Die Anhänge A und B dokumentieren:

  • Mustererklärungen
  • Weiterführende Informationen zur Gefährdungsbeurteilung nach Abschnitt 7.5

Bemerkungen

Durch die Zusammenführung der Blätter 1.1 bis 1.3 ergibt sich eine umfangreiche Unterlage, die vielleicht von den Autoren der Richtlinie etwas zu gut gemeint war. Die Zusammenfassung hat, nach Meinung des Autors, nicht zu einer Komprimierung geführt, sondern es ergibt sich eine Vielzahl von Wiederholungen von Aussagen in den Kapiteln 6 (Anforderungen an Planung, Herstellung und Errichtung) und 7 (Anforderungen an Betrieb und Instandhaltung). Außerdem hätten insbesondere die Aspekte, die die VDI 3803 Bl. 1 [8] und Bl. 4 [9] sowie VDI 3810 Bl. 4 [10] schon eindeutig und klar definiert haben, nicht so umfänglich wiederholt werden sollen. Darüber hinaus wären Verweise hilfreich, zumal die o.g. Richtlinien zu den Grundlagen der RLT-Planung und -ausführung gehören.

Der Verweis auf DIN EN 16798 Bl. 3 als zukünftigen Ersatz von DIN EN 13779 ist gut, obwohl zurzeit nur ein Entwurf vorliegt.

Die in Abschnitt 6.1.1 postulierte Forderung „RLT-Anlagen sind in der Regel erst zum bestimmungsgemäßen Betrieb des Gebäudes in Betrieb zu nehmen“ erscheint sehr theoretisch. Diese kann sowohl im vorgeschriebenen Planungsablauf nach HOAI als auch in der Baupraxis bei der Abnahme der RLT-Anlage bzw. von Komponenten kaum verwirklicht werden.

Die in Abschnitt 6.2.2 erhobene Forderung „Befeuchter sind zusammen mit Vor- und Nacherhitzer so auszulegen, dass nach der Befeuchtungsstrecke eine relative Feuchte von 90 % nicht überschritten wird“ ist kaum nachvollziehbar und würde auch einer praktizierten Lösung der Firma Michelbach (Hybrid-Luftbefeuchter (Hochdruck)) entgegenstehen.

Der Abschnitt 6.3.16 „erdverlegte Komponenten“ entspricht nahezu der Richtlinie 6022 Bl. 1.2 [4]. Leider fehlt in dem Kapitel „Bauarten“ die Problematik „Schotterspeicher“ komplett, obwohl es dazu seit mehreren Jahren Literaturhinweise (u.a. in [11] und [12]) und eine Reihe von praktischen Erfahrungen gibt, sowohl hinsichtlich der Planung und Ausführung als auch der hygienischen Aspekte.

Kapitel 7 entspricht nach einer ersten Durchsicht nahezu der Richtlinie Bl. 1.3 [5]. Wesentliche Änderungen, Ergänzungen und Korrekturen sind kaum erkennbar.

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