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Neu entwickelte Fachwirtausbildung für Gebäudeautomation

Im Dezember 2017 startete der Unterricht des bundesweit ersten Lehrgangs „Fachwirt/in für Gebäudeautomation (HWK/IMB)“. Werner Wittauer ,VDI Lehrgangsleitung, erklärt im Interview, was dahintersteckt.

Was war die Idee für das Integrationsmodell?

Das IntegrationsModell Bayreuth (IMB) steht für ein Lehrgangskonzept, das wir vor zehn Jahren in einem sechsjährigen Forschungsprojekt an der Universität Bayreuth entwickelt haben. Das Konzept wurde zunächst für den Lehrgang „Fachwirt/in für Gebäudemanagement (HWK) / Facility Management (IMB)“ entwickelt. Dieser wird in Reutlingen für Teilnehmer aus ganz Baden-Württemberg schon seit acht Jahren angeboten und jährlich durchgeführt. Vor etwa vier Jahren haben wir dann begonnen, das Konzept auf den Bereich der Gebäudeautomation anzuwenden. Daraus hat sich der jetzt in Reutlingen gestartete Lehrgang „Fachwirt/in für Gebäudeautomation (HWK/IMB)“ entwickelt.

Wesentliches Merkmal des Konzepts als solches ist die Integration unterschiedlicher Faktoren aus Wissenschaft und Praxis, sowohl auf inhaltlicher als auch auf didaktischer Ebene. Dazu gehören beispielsweise die Integration und der bundesweite Einsatz von ausgewählten, praxiserfahrenen Premiumdozenten sowie die Auslegung des Lernarrangements auf die heute relevanten Belange Berufstätiger – zum Beispiel die Forderung nach zeitlich und örtlich flexiblem Lernen. Unsere Lehrgänge, die nach diesem Konzept entwickelt und bundesweit an den Handwerkskammern durchgeführt werden, bieten als Abschluss ein Doppelzertifikat nach „HWK/IMB“. Das heißt, es vereinen sich für den Teilnehmer „öffentlichrechtliche Anerkennung“ und „zukunftsorientiertes Lernarrangement“.

Die Teilnehmer lernen ganz traditionell im Seminarraum, vor allem aber alleine, unterstützt durch elektronische Medien. Wie spielt das zusammen?

Das Blended Learning Konzept bietet den (meist berufstätigen) Teilnehmern während des Lehrgangs größtmögliche örtliche und zeitliche Flexibilität durch eine Kombination aus Selbst-lern- und Präsenzphasen. Die Teilnehmer bereiten sich zu Hause oder am Arbeitsplatz auf den jeweils anstehenden Lehrblock vor. Dabei stehen ihnen neben den Lehrgangsunterlagen (Lehrbücher mit jeweils rund 100 Seiten Umfang pro Lehrgangsmodul) die jeweiligen Fachdo-zenten über ein Lehrgangsforum im Internet zur Verfügung. Somit können Fragen zum Lern-stoff unabhängig vom Ort zu jedem Zeitpunkt eingebracht und beantwortet werden. Bei dem jetzt in Reutlingen neu gestarteten Lehrgang „Fachwirt/in für Gebäudeautomation (HWK/IMB)“ besteht ein Lehrblock aus drei Lehrgangsmodulen.

Die Teilnehmer bereiten die Lehrgangsmodule im Selbststudium vor und treffen sich nach sechs bis acht Wochen zum Präsenzunterricht an der Handwerkskammer. Im dreitägigen Präsenzunterricht am Ende eines Lehrblocks – jeweils von Donnerstag bis Samstag – werden die von den Teilnehmern vorbereiteten Lehrgangsmodule durch die jeweiligen Fachdozenten wiederholt und praxisbezogen vertieft. Abgeschlossen wird der Lehrblock mit einer Teilprüfung am Samstagnachmittag. Anschließend beginnen die Teilnehmer mit der Selbstlernphase des nächsten Lehrblocks. Insgesamt besteht der Lehrgang „Fachwirt/in für Gebäudeautomation (HWK/IMB)“ aus sechs Lehrblöcken. Durch die Integration eines Demogebäudes für zeitgemäße Gebäudeautomationskonzepte sowie die Anfertigung einer anwendungsorientierten Projektarbeit aus dem Tätigkeitsumfeld der Teilnehmer erhält der Lehrgang eine besondere Note in Sachen Praxisbezug.

Wer entsendet die Lehrgangsteilnehmer und wie ist die Resonanz?

Die Teilnehmer für den Lehrgang „Fachwirt/in für Gebäudeautomation (HWK/IMB)“ kommen sowohl von Seiten der Fachplaner, der Hersteller von Gebäudeautomationsprodukten, der ausführenden Unternehmen und Handwerksbetriebe sowie von den Betreibern der Gebäude und Liegenschaften. Dabei ist es egal, ob es sich um Verwaltungsgebäude, Handelsimmobi-lien, industriell genutzte Immobilien oder Immobilien sonstiger Nutzung handelt – die Gebäudeautomation ist der gemeinsame Nenner. Die Resonanz auf den ersten Lehrgangsstart an der Handwerkskammer Reutlingen war beeindruckend. So war der Lehrgang bereits mehrere Wochen vor Lehrgangsstart mit 26 Teilnehmern ausgebucht. Daher freuen wir uns, den Fachwirtlehrgang für Gebäudeautomation künftig auch an den Handwerkskammern in Düsseldorf, Leipzig, Mainz und Nürnberg anbieten zu können.

Die Bildungsakademie Reutlingen war von Beginn an dabei. Warum Reutlingen?

Mit dem Blended Learning Konzept haben wir einen neuartigen Weiterbildungsansatz für Be-rufstätige entwickelt. Dafür haben wir einen Partner gesucht, der bereit ist, diesen innovativen Ansatz mit uns umzusetzen. Die Bildungsakademie Reutlingen hat sich von Anfang an dafür offen gezeigt und stark gemacht. Nach zwischenzeitlich knapp zehn Jahren Zusammenarbeit ist auch das in diesem Zeitraum gebildete Vertrauen ein wesentlicher Faktor.
Mittlerweile kann man die Zusammenarbeit als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Während der Fachwirtlehrgang für Gebäudeautomation derzeit erstmalig durchgeführt wird, können wir beim Fachwirtlehrgang für Gebäude- und Facility Management auf inzwischen acht durchgeführte Lehrgänge und knapp 200 verabschiedete Absolventen zurück blicken.

Beide Lehrgänge – „Fachwirt/in für Gebäudeautomation (HWK/IMB)“ und „Fachwirt/in für Gebäudemanagement (HWK) / Facility Management (IMB)“ – sind technisch und betriebswirtschaftlich orientiert. Ist Blended-Learning auch für andere Themen geeignet?

Das Thema „lebenslanges Lernen“ ist ja bereits seit einigen Jahren in aller Munde. Dazu be-darf es zeitgemäßer Konzepte, um den Anforderungen berufstätiger, die sich weiterbilden möchten, Rechnung zu tragen. Der Erfolg des Blended Learning Konzepts, welches hohe Bil-dungsqualität mit flexiblem Lernen vereint, wurde mit den beiden Lehrgängen belastbar unter Beweis gestellt. Es ist daher durchaus geeignet, auch auf andere Fachgebiete angewandt zu werden. Die Handwerkskammer Reutlingen und das IMB-Institut befinden sich dahingehend in intensivem Austausch.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wittauer!

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